Das alte Zollhaus in Stein hat eine lange Geschichte. Im Zweiten Weltkrieg sicherten Schweizer Grenzwächter, die im Keller stationiert waren, die Holzbrücke gegen Eindringlinge ab. Später wurde an gleicher Stelle der Grenzverkehr überwacht. Alles Schnee von gestern. Seit einigen Jahren bietet das alte Zollhaus den vorbeiflanierenden Passanten einen trostlosen Anblick. Dies ist auch dem Gemeinderat bewusst. Er beantragte bereits im Dezember 2016 einen Kredit in Höhe von 1,2 Millionen Franken für die Sanierung und den Anbau eines Mehrzweckraums.

Arbeitsgruppe denkt über die Zukunft nach

Doch der Wandel vom Zollhaus zum Kulturhaus scheiterte knapp am Souverän – und ein halbes Jahr später dann bei der Referendumsabstimmung an der Urne. Seit Mai dieses Jahres beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit der Zukunft des Zollhauses. "Wir haben die Bevölkerung und Vereine gebeten, uns ihre Vorschläge für die Nutzung des Gebäudes mitzuteilen", sagt die stellvertretende Gemeindeschreiberin Marie-Noëlle Meier.

Raum für Abenteuerspiele

Auf Grundlage dieser Vorschläge habe sich die Arbeitsgruppe dafür ausgesprochen, die Dach- und Obergeschosse für einen sogenannten Escape-Room zu nutzen. Dabei handelt es sich um ein Abenteuerspiel, bei dem kleine Personengruppen gemeinsam in einem Raum oder in einer kleinen Anzahl an Räumen eingesperrt werden. Aus diesen Räumen müssen sie sich in einer vorgegebenen Zeit befreien, indem sie verschiedene Rätsel lösen.

Win-win-Situation

Zwei Argumente haben die Arbeitsgruppe dazu bewogen, sich für einen Escape-Room auszusprechen. Erstens gebe es im Fricktal noch keine solche Einrichtung – vergleichbare Angebote in der umliegenden Region finden sich erst in Basel, Baden oder Lenzburg – und zweitens sei es eine Win-win-Situation. "Die Gemeinde generiert Einnahmen durch die Vermietung der Räume an einen lokalen Verein, der den Escape-Room betreibt, der wiederum Einnahmen durch die Kunden erzielt", erklärt Meier.

Frische Ideen sollen Nutzer bei der Stange halten

Auch über die Möglichkeit, dass das Interesse nach einem einmaligen Besuch nachlassen könnte und das Angebot nach dem ersten Jahr kaum mehr genutzt werde, habe sich die Arbeitsgruppe Gedanken gemacht. "Der Betreiber ist gefordert, nach einer gewissen Zeit die Aufmachung der Einrichtung und damit die Aufgaben zu verändern, damit es spannend bleibt", sagt Meier. Denkbar sei etwa, dass man als Insasse aus einem Gefängnis ausbrechen oder als Astronaut die Welt retten muss.

Keine neue Konkurrenz für die Gastronomie

Neben dem Escape-Room seien viele Ideen wie die eines "Bed and Breakfast" eingegangen. Dagegen habe man sich jedoch klar ausgesprochen. "Wir wollen die Gastronomie, die es direkt an der Grenze schwer genug hat, nicht weiter konkurrenzieren", sagt Meier. Auch Vorschläge mit einem kulturellen Anbau – ähnlich wie jenes Projekt, das bei der Referendumsabstimmung im Mai 2017 scheiterte – seien an die Arbeitsgruppe herangetragen worden. "Das Risiko, dass ein ähnliches Projekt erneut scheitert, wäre zu groß gewesen, als dass die Arbeitsgruppe dieses noch einmal aufgegriffen hätte", sagt Meier.

Veranstaltungsraum im Erdgeschoss

Im Erdgeschoss favorisiert die Arbeitsgruppe einen Veranstaltungsraum – jedoch ohne große Küche – für kleinere Veranstaltungen, Ausstellungen oder Apéros. Im November trifft sich die Arbeitsgruppe für eine weitere Besprechung. Meier geht davon aus, dass das Projekt altes Zollhaus im Dezember noch nicht auf der Traktandenliste der Gemeinde erscheinen wird. "Dies wird frühestens im nächsten Sommer der Fall sein", sagt sie.