Die schweizerische Kleinstadt Brugg, 15 Kilometer südlich von Waldshut gelegen, und mehrere Nachbargemeinden haben gemeinsam mit dem Kanton Aargau eine mögliche Lösung zur Verkehrsentlastung ausgearbeitet. Dieser Ansatz sieht einen Tunnel unter der Aare vor. Eine neue Brücke wollen die Kommunen nicht.

Diskussionen laufen schon vier Jahre

Seit 2014 läuft eine intensive Diskussion über Vorschläge des Kantons zur Verkehrszukunft im Ostaargau (Projekt „Oase“). In der Diskussion sind jeweils zwei verbliebene Bestvarianten für Lösungen im Raum Baden, im Raum Brugg und für eine bessere Anbindung des Unteren Aaretals.

Entlastung der Zentren als Ziel

Eines der übergeordneten Ziele von Oase ist, im Raum Brugg mit den Maßnahmen für den motorisierten Individualverkehr insbesondere eine Entlastung der Zentren vom hohen Durchgangsverkehrsanteil zu erreichen. Der Große Rat, das Kantonsparlament, hat die beiden Bestvarianten für Brugg vor einem Jahr als Zwischenergebnis im Richtplan eingetragen, und gleichzeitig den Kanton beauftragt, diese weiterzuentwickeln. Ziel ist es, sich auf eine Variante zu einigen.

Es wird in alle Richtungen gedacht

Seither haben viele Gespräche stattgefunden, auch in Brugg. An diesem Prozess waren in einer Arbeitsgruppe bisher der federführende Kanton Aargau sowie Spitzenvertreter von Brugg, Windisch, Hausen und Gebenstorf sowie der Präsident des Regionalplanungsverbandes Brugg Regio beteiligt. „In diesen Gesprächen wurde in alle Richtungen gedacht“, sagt Bruggs Stadtammann Barbara Horlacher. Wobei klar sei, dass es angesichts des anhaltenden Bevölkerungswachstums und der hohen Verkehrsbelastung des Zentrums eine Lösung braucht.

Oberirdische Aarequerung schwierig

Und man kam zu einem Schluss. Barbara Horlacher sagte: „Der Stadtrat Brugg empfiehlt dem Kanton die Weiterbearbeitung der nun vorliegenden Zentrumsentlastung Brugg/Windisch.“ Vorgeschlagen wird eine Weiterentwicklung der Tunnelvariante, ergänzt mit einer längeren Aareunterquerung. Darauf sei man gekommen, sagt Horlacher, „weil wir hier sehr nahe am Wasserschloss sind, einem sehr sensiblen Lebensraum. Brugg will keine neue oberirdische Aarequerung“. „Die nun vorliegende Variante tangiert diese Naturräume und die daran angrenzenden Wohnquartiere wesentlich weniger als die beiden bisherigen Varianten.“

Nur zwei Zwischenanschlüsse

Die geplante Achse mit Untertunnelung der Aare verläuft vom Kreisel Lauffohr im Osten bis zur Südwestumfahrung im Westen, für die die Bauarbeiten 2019 starten sollen. Sie ist primär auf den Durchgangsverkehr ausgerichtet. Darum sind nur zwei Zwischenanschlüsse geplant. Einer für die Erschließung des Entwicklungsgebietes im Brugger Schachen, der andere als Zu- und Abfahrt im Bereich der Kabelwerke in Windisch für die dortigen Industriebetriebe.

Projekt auf 2040 ausgerichtet

Der Zeithorizont für das große Verkehrsprojekt Oase des Kantons Aargau, zu dem auch die Umfahrung Brugg gehört, ist auf das Jahr 2040 ausgerichtet. Dieser Prozess und die zugehörigen Verfahren brauchen Zeit, erklärt Stadtamann Barbara Horlacher. Bevor die Variante im Richtplan festgesetzt wird, erfolge – voraussichtlich im Herbst 2019 – eine öffentliche Anhörung, zusammen mit der Behördenvernehmlassung. Im Sommer 2020 könnte der Regierungsrat einen entsprechenden Beschluss fassen, der Große Rat Ende 2020 entscheiden.