Kanton Aargau Im Atomkraftwerk Beznau bestehen nach wie vor Schwachstellen

Das Öko-Institut sieht beim Aromkraftwerk Beznau trotz Verbesserungen nach wie vor gravierende Mängel.

Das baden-württembergische Umweltministerium hat am Freitag ein Gutachten des Öko-Instituts zum Sicherheitsstandard des Atomkraftwerks Beznau im Kanton Aargau in der Schweiz vorgelegt. Das teilte das Ministerium jetzt in einer Presseinformation mit. Damit wird das 2012 nach den Ereignissen in Fukushima vorgelegte Gutachten zu Beznau ergänzt. Seither sind in der Anlage einige sicherheitsrelevante Arbeiten vorgenommen worden. Beznau ist das dienstälteste Kernkraftwerk der Welt und liegt in Grenznähe zu Baden-Württemberg.

Die Experten des Öko-Instituts kommen in ihrem Gutachten zu dem Ergebnis, dass die beiden Reaktorblöcke des Kraftwerks Beznau trotz der Nachrüstungen weiterhin wesentliche sicherheitstechnische Schwachstellen aufweisen, wie sie schon 2012 beschrieben wurden. Untersucht wurden die Bereiche Erdbeben, Überflutung, Brennelement-Lagerbecken, elektrische Energieversorgung, Kühlwasserversorgung, extreme Wetterbedingungen, Reaktordruckbehälter und weitere sicherheitsrelevante Bereiche.

Umweltminister Franz Untersteller zeigte sich von den Ergebnissen des Gutachtens nicht überrascht, aber dennoch beunruhigt: „Unsere Befürchtung, dass Beznau auch nach einigen Nachrüstungen nicht den Sicherheitsstandard modernerer Anlagen erreicht, hat sich bestätigt. Das Atomkraftwerk liegt zum Teil hinter der Auslegung von Anlagen zurück, die wir nach Fukushima aus Sicherheitsgründen sofort abgeschaltet haben.“

Zwar seien in den beiden Blöcken Beznaus Verbesserungen durchgeführt und weitere in Arbeit beziehungsweise geplant, an der Gesamtbeurteilung, dass es sich um eine sicherheitstechnisch fragwürdige Anlage handle, ändere sich dadurch aber nichts. „Die grundlegenden Schwächen aus einem Design der 1960er Jahre lassen sich auch mit einzelnen Nachrüstungen nicht beheben“, so Untersteller.

Das Gutachten des Öko-Instituts zeigt auf, dass zwar insbesondere mit der Nachrüstung der sogenannten Autonomen Notstromversorgung eine Verbesserung erreicht wurde. In vielen Bereichen bestehen aber Schwächen bei den Sicherheitssystemen, sodass bei entsprechenden Ereignissen der Einsatz von Einrichtungen und Maßnahmen des anlageninternen Notfallschutzes erforderlich werden.

Zudem wird laut Gutachten das international übliche Einzelfehlerkriterium nicht voll umfänglich berücksichtigt. Dieses Kriterium legt fest, dass ein auftretendes Ereignis, beispielsweise ein Erdbeben, auch dann noch von den Sicherheitssystemen der Anlage beherrscht werden muss, wenn eines der Systeme durch einen zusätzlichen Fehler ausfällt. Beide Reaktordruckbehälter in Beznau weisen dem Gutachten zufolge auch eine im internationalen Vergleich sehr hohe Versprödung auf.

Sie sei vermutlich vorwiegend auf eine ungünstige Materialzusammensetzung beziehungsweise Probleme beim Guss oder bei der Wärmebehandlung während der Herstellung zurückzuführen. Insbesondere einen Schmiedering des Reaktordruckbehälters von Block 1 bewertet das Öko-Institut als problematisch. Die dort bei einer Ultraschallprüfung 2015 entdeckten Befunde haben dazu geführt, dass der Block 1 seither abgeschaltet ist.

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller erwartet sowohl von der Bundesregierung als auch von der Schweizer Aufsichtsbehörde Ensi, dass aus den vorliegenden Erkenntnissen Konsequenzen gezogen werden. „Beznau“, so Untersteller, „gehört nach den Ergebnissen unseres Gutachtens zum frühestmöglichen Zeitpunkt abgeschaltet. Gerade bei dem weltweit ältesten laufenden Atomkraftwerk Beznau wird deutlich, dass wir in ganz Europa eine Laufzeitbegrenzung und ein Ausstiegsszenario wie in Deutschland brauchen.“

Die Studie

Für seine Untersuchung stützte sich das Öko-Institut vor allem auf die Unterlagen, die der Betreiber des Atomkraftwerks und die Schweizer Aufsichtsbehörde im Rahmen des EU-Stresstests (2011/2012) veröffentlicht haben. Daneben nutzte es weitere öffentlich zugängliche Informationen zu den seit 2012 erfolgten Nachrüstungen und auch Ergebnisse der regelmäßigen Sicherheitsüberprüfungen der Reaktoren. Die vorliegenden Informationen wurden nach Maßstäben bewertet, die die Reaktor-Sicherheitskommission bei der Bewertung des Stresstests der Atomkraftwerke in Deutschland nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima angewendet hatte. Die EU selbst hatte keine detaillierten Sicherheitsmaßstäbe für den Stresstest vorgegeben.

Weitere Informationen im Internet:www.um.baden-wuerttemberg.de

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