Gar nicht so harmlos, sondern recht anspruchsvoll ist die Boulevardkomödie „Verwandte und andere Betrüger“ von Alexander Ollig, in der die Leute nicht das sind, was sie vorgeben: also kein banaler, platter Schwank, sondern ein Stück mit schwarzem Humor. Eigentlich geht es ja um eine Art Versöhnungstreffen zweier zerstrittener Schwestern und deren Männer. Doch beide Seiten haben sich so in dreiste Lügengeschichten verstrickt, dass sie sich immer weiter in haarsträubende Schwindeleien verwickeln. Zudem sorgt ein Lottogewinn für weitere Verwirrung.

Die 150 000 Euro gehören ja Onkel Erwin, der aber nicht erreichbar ist, weil er schon vor drei Jahren das Zeitliche gesegnet hat. Nichte Elvira kassiert derweil munter die Rente weiter. Aber auch ihre Schwester Beata schwindelt, dass sich die Balken biegen, gibt ihren Mann fälschlicherweise als Archäologieprofessor aus, obwohl er ein bankrotter Automechaniker ist. Natürlich kommt es in dieser Hochstaplerkomödie, die irgendwann einen makabren Dreh in Richtung „Arsen und Spitzenhäubchen“ bekommt, zu Turbulenzen am Fließband.

Bissig-komische Bühnenhandlung

In dieser bissig-komischen Bühnenhandlung bewährt sich das Ensemble des Kammertheaters Riehen, in dem viele Darsteller sowie der Leiter und Regisseur aus dem Badischen kommen. Höchst spaßig zu verfolgen, wie Isolde Polzin als Elvira Kröger den Laden schmeißt und sich den Lottogewinn unter den Nagel reißen will. Egon Klauser als kreuzbraver Ehemannn Ernst gibt den Oberspießer, dauergenervt und frustriert, der total unterm Pantoffel steht. In seiner Strickjacke und den karierten Hausschuhen sieht dieser kleine Sachbearbeiter aus wie ein Pförtner im Vorruhestand. Klausers köstlicher Gesichtsausdruck ist allein schon den halben Eintrittspreis wert.

Unkonventionell und sexy

Das andere Lügnerpärchen ist mit Nico Deleu und der neu im Ensemble mitwirkenden Freiburger Schauspielerin Isabell Steinbrich treffend besetzt. Sie mimt die hochnäsige Schwester, die immer etwas Besseres sein will; er ist urkomisch, wenn er sich unter Mördern wähnt. Die lachende Dritte, die nicht nur das Geschirr „abräumt“, ist die junge Rheinfelder Schauspielerin Birgit Niethammer als unkonventionelle, sexy herausgeputzte Haushaltshilfe Frau Pahlke, die alles sieht, alles hört, alles weiß. In der pointierten, gute Unterhaltung bietenden Inszenierung von Simon Rösch lacht man über die lustigen Dialoge, die skurrilen Szenen, die Situationskomik, den unterhaltsamen Streit ums Geld und das Geheimnis um „Erwin Lottomann“. Dank der kriminellen Energien der Protagonisten entwickelt sich das Stück immer mehr zur Krimikomödie.

Nächste Aufführungen im Kammertheater Riehen sind vom 9. bis 11. und 15. bis 18. November, 20 Uhr, sonntags 19 Uhr. Gespielt wird bis Silvester. Informationen im Internet (www. kammertheater.ch)