Bei einem Brand ist in der Nacht zum Dienstag die Bänderfabrik in der 1500-Einwohner-Gemeinde Herznach im Bezirk Laufenburg/Schweiz schwer beschädigt worden. Als die Einsatzkräfte eintrafen, standen die oberen zwei Stockwerke in Vollbrand. In dem Gebäude stieß die Feuerwehr auf die Leiche einer Frau. Am Dienstag wurde bekannt: Es war eine Angestellte, die ihre Tat per E-Mail angekündigt hatte. Da hieß es: „Ich zünde mich an.“ Die Frau warf der Spyk Bänder AG in einer E-Mail Mobbing gegen ihren Mann vor – die Firma wehrt sich dagegen.

Protest gegen angebliches Mobbing

Die Kantonspolizei geht von einem Suizid aus, weil sie im Besitz einer E-Mail ist, die die besagte Angestellte nur einige Minuten vor dem Brand von ihrer Firmenadresse an die „Neue Fricktaler Zeitung“ geschickt hat. Wie die Zeitung schreibt, kündigte die Frau in der E-Mail an, „sich mit Benzin zu übergießen und anzuzünden“. Der Grund sei das jahrelange Mobbing in der Firma Spyk Bänder gegen ihren Mann.

Vorwürfe für Geschäftsleitung nicht nachvollziehbar

„Es war für mich ein Riesenschock, als ich das gelesen habe. Die Situation ist schon schlimm genug. Und jetzt das noch oben darauf. Das ist eine Riesenbelastung“, sagt Andreas Schmid, Teilhaber und Co-Geschäftsleiter. Dass der Ehemann der Verstorbenen, der seit 18 Jahren für das Unternehmen tätig ist, gemobbt worden sein soll, ist für Schmid nicht nachvollziehbar. Verhehlen kann der Co-Geschäftsleiter nicht, dass es über all die Jahre auch mal „kleinere Probleme“ gab. Doch man habe immer versucht, die Schwierigkeiten konstruktiv zu lösen.

Man kann nicht in die Menschen hineinsehen

Mobbing sei für ihn, wenn ein Einzelner von einer Gruppe ausgegrenzt oder provoziert werde, sagt Andreas Schmid. „Das habe ich bei uns in der Firma aber noch nicht erlebt“, sagt er. Man könne jedoch nicht in die Menschen hineinschauen. Die Sensitivität von Personen gegenüber Einflüssen von außen sei sehr individuell. Vor wenigen Monaten habe man dem Ehemann der Verstorbenen nach Absprache eine neue Funktion zugewiesen. Laut dem Co-Geschäftsleiter habe er nach dem Wechsel einen zufriedenen Eindruck gemacht.

Spuren bei Kollegen

Die Radikalität der Tat der Mitarbeiterin, die 30 Jahre lang für das Unternehmen tätig war, löst bei Schmid Konsternation aus und hinterlässt auch Spuren bei den Angestellten des Unternehmens. „Einige werden sich jetzt fragen, ob sie vielleicht etwas Falsches gesagt oder getan haben, was zu dieser Tat geführt haben könnte. Das löst bei ihnen Angst aus“, so Schmid.

Gespräch mit dem Ehemann

Lehren aus dem tragischen Vorfall könne das Unternehmen kaum ziehen. „Wir müssen unsere Unternehmenskultur nicht hinterfragen. Bei uns kennt jeder jeden. Wir führen Mitarbeitergespräche und bei Problemen stehen die Türen jederzeit offen“, sagt Schmid. Mit dem Ehemann der Verstorbenen habe Schmid nach der Tat ein längeres Gespräch geführt. „Es war ein gutes Gespräch. Ich habe gespürt, wie es ihm geht, und er hat gespürt, wie es mir geht. Ich war sehr froh um dieses Gespräch.“ Einen Tag nach dem Brand nahm ein Teil des Personals die Arbeit auf, um die Produktion vorzubereiten. Aufgrund der Betroffenheit hat die Unternehmensleitung ihren Mitarbeitern freigestellt, ob sie zur Arbeit erscheinen.