Die Schweizer Umweltorganisation Pro Natura verlangt, dass Plastik in allen Wasserkraftwerken herausgefiltert wird, anstatt "unbesehen im Unterwasser entsorgt" zu werden. Der Kraftwerksbetreiber Axpo hält sich aber an die in der Konzession definierten Auflagen des Kantons Aargau. Der Kanton räumt Verbesserungspotenzial ein. Gewässer voller Plastikmüll kennt man vor allem von Fotos aus Entwicklungsländern. Doch auch im Aargau landen PET-Flaschen und andere Plastikabfälle in den Flüssen. "Früher wurde dies als unschön angesehen, heute wissen wir, wie gefährlich Mikroplastik für die Gesundheit sein kann", sagt Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau.

Entsorgung im Wasser

Problematisch sei die Rolle der Wasserkraftwerke, hält Jenny fest: "Sie produzieren das Plastik zwar nicht selbst, doch in den Rechen vor den Turbinen der Laufkraftwerke verfangen sich Plastikutensilien der Wegwerfgesellschaft." Bei vielen Kraftwerken werde der Plastik mit Schwemmholz und Laub herausgefischt, dann aber "unbesehen im Unterwasser entsorgt", heißt es in einer Pro-Natura-Mitteilung.

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Dies sei problematisch, weil Plastik "in den Wirbeln im Unterwasser der Kraftwerke zu winzigen Partikeln zerrieben" werde. Dabei gelte eigentlich der Grundsatz: Wer Abfall aus dem Fluss fischt, muss ihn entsorgen, hält Jenny weiter fest. Unter den Kraftwerken gebe es aber "fast legale Abmachungen", die vom Staat geduldet würden und den Betreibern erlaubten, das herausgefischte Plastik unterhalb des Stauwehrs wieder in den Fluss zu kippen. Wenn dieser dann zu Mikroplastik zermahlen wird, "kann er auch im besser ausgerüsteten Kraftwerk unterhalb nicht mehr herausgefischt werden", gibt Pro Natura zu bedenken.

Vorschlag für die getrennte Entsorgung

Im Aargau passiere genau dies beim Kraftwerk Brugg-Wildegg der Axpo. Dort sei kürzlich eine neue Reinigungsanlage beim Rechen der Turbine installiert worden, das herausgefischte Plastik werde aber nicht vom Schwemmholz getrennt und nicht separat entsorgt. Deshalb fordert Pro Natura in einer Mitteilung, "dass die Kantone als Eigentümer der Axpo die Einhaltung der Regeln, die für alle gelten, auch bei sich selbst umsetzen". Auf Nachfrage sagt Johannes Jenny, er könnte sich vorstellen, dass Arbeitslose oder Flüchtlinge beim Aussortieren des Plastikabfalls helfen könnten. "Es wäre wünschenswert, den Plastik möglichst weit oben aus den Flüssen zu holen, Holz und Blätter aber wieder beizugeben", sagt er.

Verweis auf Auflagen, die eingehalten werden

Mit der Kritik von Pro Natura konfrontiert, sagt Axpo-Mediensprecherin Monika Müller, man halte sich "beim Umgang mit Schwemmgut inklusive Plastikabfälle an die in der Konzession definierten Auflagen des Kantons". Die entsprechenden Bestimmungen würden bei den einzelnen Kraftwerken variieren, ergänzt Müller. Im Aargau werde bei den Axpo-Wasserkraftwerken Beznau und Klingnau das gesammelte Schwemmgut inklusive Plastik herausgenommen und später getrennt entsorgt. "Beim Kraftwerk Wildegg-Brugg wird das Geschwemmsel nicht herausgenommen, da es nach kurzer Fließzeit im Wasserkraftwerk Beznau angeschwemmt, dort herausgenommen und auch entsorgt wird", sagt die Sprecherin. Grundsätzlich sei zu beachten, dass aus ökologischen Gründen gewünscht werde, "dass ein Teil des organischen Schwemmguts, wie Holz oder Laub, im Wasser verbleibt".

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Littering, also das Wegwerfen von Müll in die Umgebung, sei ein gesellschaftliches Phänomen, der Kraftwerksbetreiber Axpo sei sich des Problems aber bewusst, hält Müller fest. Mit diversen Kommunikationsmaßnahmen, wie zum Beispiel einem Axpo-Film zum Thema Littering oder der Beteiligung an freiwilligen Maßnahmen wie der jährlichen "Aare-Putzete" versuche man aktiv mitzuhelfen, "für das Thema generell zu sensibilisieren und die Problematik zu bekämpfen".

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Simon Werne, Fachspezialist Wasserkraft beim Kanton, hält auf Anfrage fest: "Im Gewässerschutzgesetz ist grundsätzlich geregelt, dass Betreiber von Kraftwerken das Treibgut, das sie aus dem Fluss holen, nicht ins Wasser zurückgeben dürfen, sondern entsorgen müssen." Allerdings könnten die Behörden Ausnahmen bewilligen, dies sei in den Konzessionen geregelt. Den Verantwortlichen sei aber bewusst, dass sich im Geschwemmsel auch Zivilisationsmüll befinden könne. Die Situation habe sich seit 1973 insbesondere in Bezug auf Plastikmüll und PET-Flaschen negativ entwickelt. "Dies wird auch an einigen Gewässerabschnitten und an Kraftwerken sichtbar", räumt Werne ein. Der Kanton habe vorgesehen, mit dem Kraftwerke-Verband in Kontakt zu treten, um gemeinsam Lösungen zu suchen.