Beim Musikfest "Ohren auf!" lässt es sich gut aushalten. Mehr als 3000 Musiker spielten im Schweizer Laufenburg am ersten Festwochenende bei Konzerten und Paraden auf. Das gut organisierte Fest kommt bei den Teilnehmer wie bei Besuchern gleichermaßen gut an.

Auf 250 Meter Strecke sind die Basler und die Winterthurer Straße für die Paraden des Aargauischen Kantonalmusikfestes "Ohren auf!" gesperrt worden. Geduldig warten die Musiker beim Aufstellungsort in der Basler Straße, um ihr Können den vier Juroren und den zahlreichen Zuschauern zu präsentieren. Zwei Juroren sind am Anfang der Strecke platziert und zwei Juroren behalten am Streckenende alles genau im Blick. In ihre Bewertung fließen musikalische Darbietung sowie die Vorführung beim gemeinsamen Marsch der Musiker.

<strong>Konzentriert:</strong> Die Stadt- und Feuerwehrmusik Laufenburg (Baden) unter der Leitung von Klaus Siebold am Sonntag beim Wertungsspiel in der Turnhalle Burgmatt.
Konzentriert: Die Stadt- und Feuerwehrmusik Laufenburg (Baden) unter der Leitung von Klaus Siebold am Sonntag beim Wertungsspiel in der Turnhalle Burgmatt. | Bild: Reinhard Herbrig

„Das gibt Abzüge, wenn die Juroren das gesehen haben“, meint OK-Präsident Walter Marbot bei einem nicht-synchronen Stopp einer Formation. Über einen Lautsprecher werden die Ergebnisse unmittelbar verkündet. Zwischen 50 bis 100 Punkten kann ein Juror vergeben, womit eine Musikgesellschaft (MG) maximal 400 Punkte bei der Parade erreichen kann.

<strong>Mit viel Puste:</strong> Musikgesellschaft Gansingen
Mit viel Puste: Musikgesellschaft Gansingen | Bild: Hildegard Siebold

Für die endgültige Platzierung zählt auch die Bewertung der Vorträge an den Konzertorten Dabei präsentiert jede MG ein Aufgabenstück, das ihr zehn Wochen zuvor mitgeteilt wurde, und ein Selbstwahlstück. Das Konzert haben Christine und Verena von der MG Walperswil (Bern) schon hinter sich. Die Parade steht den beiden noch bevor. „Anfangs waren wir aufgeregt, aber jetzt geht es“, meint Klarinettistin Christine und Verena, die Querflöte spielt, ist voll des Lobes für das Fest. „Gut organisiert und alles nah beieinander, gutes Essen und das Wetter ist perfekt“, sind sich die beiden einig. Auch Walter Kiener, Präsident der Harmoniemusikgesellschaft (HMG) Fulenbach aus dem Kanton Solothurn, lobt das gut organisierte Event und die tolle Stimmung in den Straßen und an den Spielorten.

Musikverein Tägerig
Musikverein Tägerig | Bild: Hildegard Siebold

An den zwei Festwochenenden nehmen mehr als 5000 Musiker von 132 Musikgesellschaften teil. Am ersten Wochenende sind es mehr, da es mehr Harmoniemusikgesellschaften als Brass-Bands gibt, denen das Festwochenende vom 29. Juni bis zum 1. Juli vorbehalten ist, erklärt Marbot. „Heute am Samstag sind es die meisten, mit zirka 1800 Musikern.“

Die erste Herausforderung bei der Organisation des Festes stellte sich schon Anfang 2016, als es darum ging die drei Vereine Stadtmusik Laufenburg, MG Kaisten und MG Sulz zusammenzubringen, die schließlich alle auf ihren Hauptversammlungen mit großen Mehrheiten für das gemeinsame Musikfest votierten.

Musikgesellschaft Kaiseraugst
Musikgesellschaft Kaiseraugst | Bild: Hildegard Siebold

An fünf Spielorten findet der musikalische Wettbewerb statt. Am ersten Festwochenende spielen die Tambouren-Musikvereine samstags auf der Eventbühne in der Burgmattstraße und am Pontonierdepot am Rhein. In der Stadthalle, in der Turnhalle Burgmatt und in der Kirche Sankt Johann treten die Musikgesellschaften auf, die am Sonntag dann alle fünf Spielorte in Beschlag nehmen. Insgesamt sind an den sechs Festtagen um die 1000 Helfer im Einsatz, erklärt Marbot.

Zirka 700 haben das OK und die drei ausrichtenden Vereine rekrutiert, zusätzliche Helfer kommen von weiteren Vereinen, die beispielsweise Bars auf der Festmeile betreiben. Im Rhy-Grill sind in einer Schicht etwa 15 Helfer im Service und am Grill im Einsatz, erzählt Irene Leonforte, die Querflöte in der Stadtmusik Laufenburg spielt. Ihre Schicht als Bedienung dauert von 13 bis 19 Uhr und am Sonntag ist sie im Festzelt zum Abräumen eingeteilt.

Aargauer Musikfest Laufenburg:Zahlreich säumten die Zuschauer die Paradestrecke.
Aargauer Musikfest Laufenburg:Zahlreich säumten die Zuschauer die Paradestrecke. | Bild: Hildegard Siebold

Das OK erwartet für beide Festwochenenden 12 000 Besucher, denen neben den Konzerten und Paraden weitere musikalische Unterhaltung geboten wird. Auftritte zahlreicher Unterhaltungsbands wie etwa dem Trionettli, der Burnout Country Band, den Bieranjas oder der Old Rivertown Jazzband beleben die Bühnen mit einem vielfältigen Musikangebot. Verschiedene Beizen und Foodtrucks sorgen sich mit Grillgut und internationale Köstlichkeiten um das leibliche Wohl der Besucher. Und mit Kinderkarussell, Dosenwerfen, Hüpfburg, Sandkasten und anderen Kinderangeboten ist das Musikfest auch ein schönes Angebot an Familien. „Ich hatte mehr Leute erwartet, aber meiner Tochter gefällt es. Sie hat ein Eis gekriegt und ein Sandkasten ist in dem Alter immer gut“, erzählte eine Besucherin aus Sulz.

Ein älteres Paar aus Laufenburg ist begeistert von der Parade am Samstagnachmittag, und Sonntag wollen sie zum Mittagessen wieder aufs Fest gehen. „Aber erst nach der Kirche“, sagt der Festbesucher. „Am Sonntag hat die Johann-Kirche auch Patrozinium. Das passt auch gut zum Musikfest.“

Eine Rangliste wird pro Lokal und Wochenende für jede Kategorie erstellt. Die Ranglisten werden im Internet veröffentlicht (musikfest2018.ch)