Eine mächtige Felsgrotte im Römersteinbruch oberhalb von Würenlos gilt als „Kraftort“. 20 000 Besucher pilgern jährlich dorthin. Entdeckt hat ihn die Aargauer Naturheilärztin, Forscherin und Künstlerin Emma Kunz (1892 bis 1963). Sie erkundete energetische Zusammenhänge und konnte dank intuitiv erlangten Messresultaten angeblich auch prophetische Fähigkeiten nutzen.

Auf Millimeterpapier gezeichnete filigrane Komposition: Das Werk Nummer 135 (90 x 90 cm) von Emma Kunz.
Auf Millimeterpapier gezeichnete filigrane Komposition: Das Werk Nummer 135 (90 x 90 cm) von Emma Kunz. | Bild: Emma Kunz Zentrum Würenlos

1973/74, zehn Jahre nach ihrem Tod, wurden ihre Zeichnungen erstmals im Kunsthaus Aarau gezeigt. Später kamen mehr als 40 Ausstellungen hinzu – unter anderem in der Städtischen Kunsthalle Düsseldorf und im Musée d’Art Moderne in Paris. Dabei verstand sich Emma Kunz zeitlebens nie wirklich als Künstlerin, sondern vielmehr als Heilpraktikerin und Forscherin. Dennoch erlangte ihr Bildwerk, das ihr Wissen verschlüsselt dokumentiert, große Bekanntheit.

Pendel als Zeichengerät

Auf der Suche nach Gesetzmäßigkeiten und Kräfteverläufen zeichnete Emma Kunz mithilfe eines Pendels, womit sie die zu setzenden Punkte fand, auf Millimeterpapier mit Bleistift, Farbstift und Ölkreide streng geometrische Kompositionen. Die meistens quadratischen Formate konnten eine Seitenlänge von mehr als einem Meter erreichen. Titel gab sie ihren Bildern selten, aber ihre Erklärungen konnten zwei bis drei Stunden in Anspruch nehmen.

EIne Porträtaufnahme von Emma Kunz (1892 bis 1963).
EIne Porträtaufnahme von Emma Kunz (1892 bis 1963). | Bild: Emma Kunz Zentrum Würenlos

Bereits mit 18 Jahren nutzte Emma Kunz ihre Begabungen in Telepathie, Prophetie sowie als Heilpraktikerin und begann zu pendeln. Mit 19 Jahren reiste sie nach Amerika, um einer Jugendliebe zu folgen. Angeblich traf sie diesen jungen Mann nie und kehrte enttäuscht wieder in ihr Dorf zurück. 1922 nahm sie ihre Heiltätigkeit wieder auf. Um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, arbeitete sie in einer Stickerei, bis sie 1923 eine Stelle als Haushälterin bei der Familie des Kunstmalers und Kunstkritikers Jakob Friedrich Welti annahm. 1933 gab sie alle sonstigen Arbeiten auf und widmete sich fortan nur noch der Heilung von Menschen und der Erforschung der Fragen, die für sie wichtig waren.

Rückkehr zu den Schwestern

1938 begann sie zu zeichnen und zog zu ihren beiden Schwestern nach Brittnau, wo sie zur Welt gekommen war. 1941 gelangen ihr Versuche der Direktmagnetisierung von Krebszellen. 1942 begann die Geschichte des Emma-Kunz-Zentrums. 1942 grassierte in der Schweiz eine Kinderlähmungsepidemie. Davon war auch Anton Meier, der sich zu den „ganz schweren Fällen“ zählte, betroffen. Nach vielen vergeblichen Heilungsversuchen durch die konventionelle Medizin riet eine Bekannte seinem Vater, die Heilpraktikerin Emma Kunz aufzusuchen.

Pendel führt zum Heilmittel

Meier beschrieb die Erinnerung an das Treffen so: „Nach einem kurzen Gespräch zog sie aus ihrer Manteltasche eine Kette, deren Enden mit zwei kugelförmigen Gewichten versehen waren, eines aus heller Jade, eines aus Silber. Sie ließ das Ende der Jadekugel über meinem Kopf pendeln, worüber ich mich köstlich amüsierte.“ Weder er noch sein Vater wussten, was dieser Vorgang zu bedeuten hatte. Nach wenigen Augenblicken soll Emma Kunz erklärt haben: „Herr Meier, ich kann ihren Buben heilen. Dazu brauche ich ein spezielles Pulver, das ich im unmittelbaren Lebensbereich ihres Sohnes finden werde. Ich muss sie an ihrem Wohnort aufsuchen.“

Heilsames Gestein wird verwendet

Das Trio fuhr nach Würenlos, wo die Familie Meier drei Steinbrüche besaß. Emma Kunz untersuchte mit ihrem Pendel Parzelle um Parzelle, bis sie in den Bereich eines schon von den Römern betriebenen Muschelkalk-Steinbruchs gelangte. „Hier begann sich das Pendel unerklärlich schnell vertikal zu drehen“, so Meier. Emma Kunz war begeistert. Sie habe noch nie derart starke Heilkräfte verspürt, sagte sie und gab genaue Anweisungen, wie das Rohmaterial (später als Heilgestein AION A bezeichnet, in der Schweiz ein anerkanntes, in Apotheken und Drogerien erhältliches Heilmittel) zu brechen, zu reinigen, zu pulverisieren und mit Wasser angerührt auf den Körper von Anton Meier aufzutragen ist.

Patient errichtet Zentrum aus Dankbarkeit für die Heilung

„Nach ein paar Wochen spürte ich wieder Kraft in den Beinen, verlangte nach Krücken, und es gelang mir tatsächlich, ein paar Schritte zu tun.“ Anton Meier wurde gesund. Aus Dankbarkeit für seine Heilung errichtete er sukzessive das Emma Kunz Zentrum in Würenlos, das heute frei besichtigt werden kann. Mit dem Emma Kunz Zentrum hinterließ Anton Meier eine einzigartige Stätte. Zu ihr gehört auch die Grotte im ehemaligen Steinbruch – ein sogenannter Kraftort, in dem Blanche Merz in ihrem Buch „Orte der Kraft in der Schweiz“ „qualitativ hohe Schwingungen“ festgestellt hat. Von der Hauptstraße kaum sichtbar, bilden sorgsam renovierte Gebäude, alte Steinbruchgeräte, die mystische Grotte und gepflegte Gärten ein stimmiges Ganzes. Im dazugehörigen Museum werden 70 Bilder von Emma Kunz gezeigt.