Eigentlich wären die wunderbaren impressionistischen Gemälde von Paul Cézanne, Claude Monet, Paul Gauguin und anderen schon Anlass genug, das schöne Wohnmuseum der Industriellenfamilie Sidney und Jenny Brown in Baden/Schweiz zu besuchen. Vor allem, seit dort die große Ausstellungsgalerie neu gestaltet und bespielt wurde. Doch der rührige Direktor Markus Stegmann gibt sich damit nicht zufrieden: Er stellt in der neuen Ausstellung „Langmatt, Licht, Libellen“ 24 Meisterwerke des Impressionismus den Arbeiten von 12 zeitgenössischen Künstlern gegenüber, in unterschiedlichsten Techniken. Die Künstler von früher und heute kommen so ins Gespräch, und der Besucher entdeckt überraschende Gemeinsamkeiten.

Das Revolutionäre am Impressionismus des 19. Jahrhunderts war, dass die Künstler neben der gemalten Realität Licht und Bewegung malen wollten. Sie zersplitterten die Farben und brachten sie durch sprühenden Farbauftrag zum Flirren. Das suchte und fand Stegmann auch bei zeitgenössischen Künstlern, die in unterschiedlichsten Techniken Licht und Bewegung ausdrücken: Da hängt etwa Gauguins „Früchteschale“ neben einer heftigen abstrakten Farbexplosion von Thierry Perriard. Oder Claude Monets „Eisscholle und Odilon Redons „Fischerboot“ beginnen einen Dialog mit der unendlichen Weite des Meeres, das Elger Esser auf seinem Foto „Ruaud“ festhält. Und man staunt: Hier wie dort gibt es diese lichtdurchfluteten Bilder, diese Reflexe, die sich widerspiegeln und oft in Bewegung auflösen. Auch in den oberen Räumen der Villa, die mit einbezogen wurden, gibt es diese reizvollen Begegnungen: Alfred Sisleys „Kirche von Moret“ trifft auf die kühl abstrahierten „Gebäude und Lastwagen“ von El Frauenfelder.

Oder die sich im Flur ausbreitende flüchtige Gouache „Um uns herum“ von Julia Steiner trifft auf die „Badenden“ von Paul Cézanne“.

Nicht immer sind die Bezüge auf den ersten Blick deutlich. Aber es macht Spaß, sich auf den Dialog einzulassen. Und Farbe und Licht pur sind schließlich die drei dramatisch inszenierten, lebensgroßen Figurinen der Schweizerin Anna Amadio aus geraffter und bemalter Plastikfolie. Sie beherrschen die große Fläche der Bildergalerie. Und wenn man genau hinschaut, sieht man bei ihrer Figur „Diebin“ augenzwinkernd unter der Folie zwei versteckte Bilderrahmen. Doch ihr „Wächter“ wird schon verhindern, dass ein Bild diesen Raum verlässt!

Bis 11. Dezember dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr und am Wochenende von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Katalog 48 Franken