Aufregung am Montagabend im Aarauer Scheibenschachen: Bei der Glassammelstelle schwirrten abertausende Bienen um einen schwarzen Abfallsack. Hatte da jemand tatsächlich einen Bienenschwarm entsorgt, die Königin in den Güselsack gestopft?
„So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte Imker Mathias Gantner, „und ich bin nun doch schon seit über dreissig Jahren unterwegs.“

Fassungslosigkeit im Scheibenschachen-Quartier

So fassungslos stand Gantner am Montagabend im Aarauer Scheibenschachen-Quartier, aufgeboten von Bereitschafts-Offizier Christian Oberle von der Stützpunktfeuerwehr Aarau. Der Grund: Bei der Glassammelstelle schwirrten abertausende Bienen um einen schwarzen Abfallsack. Hatte da jemand tatsächlich einen Bienenschwarm entsorgt, die Königin in den Abfallsack gestopft?

In Zuckerwasser getränktes T-Shirt

Der Aarauer Imker fand im Sack aber keine Königin, sondern einen Plastikeimer, darin ein zerschlagenes Einmachglas und ein T-Shirt, alles getränkt mit Zuckerwasser, über und über mit hungrigen Bienen besetzt. Die Bienen waren nicht ihrer Königin gefolgt, sondern dem verlockenden Duft nach Zucker. Der ist im Moment so begehrt, dass die Tiere aus einem Umkreis von vier bis fünf Kilometern angezogen wurden. „Ich muss die Bienen seit zwei Monaten zufüttern“, sagte Gantner.

Bienen leiden an Hunger

Wegen der anhaltenden Trockenheit fehlt es an Blüten, die Bienen können keinen Nektar und keine Pollen sammeln und leiden Hunger. Mit dem Zuckerwasser fanden viele Bienen aber auch den Tod: Zu Hunderten ertranken sie im Kessel. Gantner versuchte noch, so viele von ihnen im letzten Moment aus dem Sirup zu retten. Denn das Verheerende an so grossen Ausfällen: Die Tiere, die im Volk den Nachwuchs pflegen, müssen die Ausfälle kompensieren und selber ausfliegen. „Dadurch werden die Jungen vernachlässigt“, so Gantner. „Das kann lebensbedrohlich sein für ein Volk.“ Im Fall vom Montagabend könnte dieses Schicksal gleich mehrere Völker treffen; mindestens drei verschiedene, unterschiedlich gefärbte Völker zählte Gantner.

Imker: "Es verschlägt einem die Sprache"

Was sich die Person gedacht hat, die das Zuckerwasser im Kessel neben der Glassammelstelle deponiert hat, konnte sich Gantner nicht erklären. „Wenn man so etwas sieht, verschlägt es einem die Sprache.“ Er glaube aber, dass die Person das nicht mit Absicht getan habe, „sondern schlichtweg in Unkenntnis des Schadens, den sie damit angerichtet hat“. Den Sirup wusch Gantner von Kessel und Scherben ab, das T-Shirt tauchte er in Wasser, wrang es aus. Die Bienen liess er da. „Wenn aller Zucker weg ist, fliegen sie wieder heim.“