Die Kaiserbühne im historischen Städtchen Kaiserstuhl bot das passende Ambiente für den Auftakt des „Festivals der Stille“. Vor ausverkauften Theaterreihen wurde die neapolitanische Romanze „A'vuccella“ von Francesco Paolo Tosti in Verbindung mit dem Roman „Lust“ von Gabriele D'Annunzio von hochkarätigen Künstlern aufgeführt. Gabriele D'Annunzio wurde im 19. Jahrhundert als Dichterfürst des italienischen Dekadentismus verehrt. Die Belle époque um die Jahrhundertwende bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde mit dieser Romanze voll Luxus und Leibeslust ausgiebig in Szene gesetzt.

Gebannte Zuhörer

Mit Hingabe und Ausdrucksstärke gelang es Massimiliano Mastesic, der außerdem auch als musikalischer Leiter und Initiator des Festivals agiert, das Lebensgefühl der italienischen Aristokratie am Klavier umzusetzen. Die aus Montepulciano stammende Opernsängerin Elenora Contucci verkörperte die italienische Lebensart auf unvergleichliche Weise. Die Konzertgäste waren wie in ihrem Bann gefangen.

Voller Körpereinsatz

Peter Niklaus Steiner las die Texte des selbstverliebten Dichters D'Annunzio mit ganzem Körpereinsatz, gekleidet in einen kuschelig weichen Bademantel, vor. Dadurch bekamen die Gäste des Theaters einen Einblick in die Gefühlswelt des narzisstisch geprägten Lebemanns, der der Fleischeslust sowie der Sinnlichkeit ausschweifend frönte. Eine Romanze mit hinreißenden Arien voll Herzschmerz und Liebeslust, voll Eifersucht und Hingabe, voll süßer Verführung und genussvollem Liebesspiel – die Fantasie der Gäste wurde anspruchsvoll beflügelt und die Klänge der Musik verzauberten das Gehör.

Ende weicht von der Vorlage ab

Am Ende ging es um Leben und Tod, ein Duell setzte den Schlusspunkt unter die Leidenschaften. Etwas anders, als es in der Textvorlage des Originalromans „Lust“, der 1889 veröffentlicht wurde, oder auch in „Das Feuer“, einer deutschen Übersetzung, zu lesen ist, kam es bei der Aufführung zu einem ehrenhaften Duell der Kontrahenten, bei dem der bessere Fechter den Sieg davontrug. So hatte die Aufführung sogar noch eine mitreißende Dramaturgie, die den exzentrischen Schöngeist des Dichters unterstrich.

Zufriedenes Fazit

„Eine sagenhafte Atmosphäre mit einer meisterlichen Besetzung und ansprechendem Theatergenuss – eine kulturelle Glanzleistung“, war beispielsweise von den Gästen zu hören, die sich nach der Veranstaltungen noch zu einem Umtrunk im Foyer der Kaiserbühne versammelten.