Nicht nur im Kreis Waldshut beschäftigt die vom Flughafen Zürich-Kloten ausgehende Belastung die Menschen. Mit einer Messstation auf dem Mutschellen-Pass im Bezirk Bremgarten und jährlichen Überwachungen überprüft der Schweizer Kanton Aargau die Entwicklung. Die neuesten Auswertungen zeigen: Spätabends hat sich der Lärm mehr als verdoppelt. Jetzt fordert der Regierungsrat: Schwere Maschinen sollen früher starten.

Am zweitstärksten vom Fluglärm betroffen

Der Kanton Aargau ist nach dem Kanton Zürich am zweitstärksten betroffen vom Fluglärm – deutlich stärker als der süddeutsche Raum. Deshalb ist man hier besonders an der Fluglärmentwicklung interessiert und verlässt sich nicht nur auf Auswertungen aus Zürich und Bern. Nur: Was heißt vom Lärm betroffen? Tatsächlich trägt der Aargau über fünf Prozent des Fluglärms. Im Nachtbetrieb sind es zehn Prozent, in manchen Jahren sogar mehr.

Durchschnittliche Lärmbelastung zwischen 48 und 49 Dezibel

Doch wie steht es denn nun um die Fluglärmbelastung? Nimmt sie zu oder ab? Das neueste Fluglärmmonitoring für den Aargau zeigt im Vergleich von 2009 bis 2017, dass sich die Überflüge zwischen 5 und 6 Uhr nicht maßgebend verändert haben. Die Lärmbelastung bleibt aufs Jahr gesehen tief. Wenig geändert hat sich auch von 6 bis 22 Uhr. Die durchschnittlichen Lärmbelastungen bewegen sich zwischen 48 und 49 Dezibel.

Fluglärm zwischen 23 und 24 Uhr steigt um 40 Prozent

Ein anderes Bild zeigt sich spätabends. Zwischen 22 und 23 Uhr hat sich seit 2009 die Anzahl der erfassten Fluglärmereignisse mehr als verdoppelt. Die jahresdurchschnittliche Lärmbelastung nahm um zwei bis drei Dezibel zu. Zwischen 23 und 24 Uhr stieg die Anzahl der erfassten Fluglärmereignisse um rund 40 Prozent.

Proteste aus dem Aargau bleiben bisher unerhört

Was macht der Aargau mit diesen Erkenntnissen? Er wehrt sich seit Jahren heftig gegen die Lärmzunahme in den betroffenen Gebieten im Ostaargau in den Nachtstunden – doch bisher haben die Proteste nichts gebracht. Die Verkehrszunahme müsse man genau anschauen, wendet Philipp Huber, Fluglärmspezialisten im Departement Bau, Verkehr und Umwelt, ein.

Darum gibt es mehr Fluglärm

Zum Teil beruhe sie auf Mehrverkehr, und gerade in der zweiten Nachtstunde auf verspäteten Abflügen in Kloten (meist wegen Abwartens von Anschlussflügen). Aber auch die Umstellung vom "Flight level 50" auf "Flight level 80" ab 22 Uhr trage ihren Teil bei. Früher konnte ein Pilot die Flugroute freier wählen, sobald 5000 Fuß Höhe erreicht waren.

Station misst mehr Fluglärm

Weil diese über dem Mutschellen meist bereits erreicht waren, flogen danach viele Maschinen nicht mehr im exakten Korridor weiter. Heute sind die Piloten erst ab 8000 Fuß Flughöhe freier. Deshalb misst die Station seither mehr Flugzeuge im Korridor. Damit nahm die tatsächliche Belastung der darunter wohnenden Menschen deutlich zu, für andere sank sie.