Seit dem Spatenstich für das neue Thermalbad in Baden Mitte April sind die Bauarbeiter mit dem Aushub beschäftigt. Vor Ort ist auch die Kantonsarchäologie, die den Boden nach Überresten der römischen Siedlung Aquae Helveticae untersucht. Bereits Anfang Juni machten die Mitarbeiter eine seltene Entdeckung: Im Bereich des ehemaligen Hotels Staadhof stießen sie auf rund 2000 Jahre alte Holzbalken, die von den Römern als Untergrundstabilisierung für ihre Bäder genutzt wurden.

Fund sorgt für Aufsehen

Nun hat die Kantonsarchäologie einen zweiten Fund gemacht, der für Aufsehen sorgt: Unter dem Betonfundament des abgerissenen "Staadhofs" ist sie auf gut erhaltene Überreste eines römischen Bads gestoßen. Die Mitarbeiter haben nicht nur eine große Fläche des Beckenbodens, der mit Ziegeln im Fischgräten-Muster aufgebaut wurde, freigelegt, sondern auch eine rund vier Meter lange Beckenwand und weitere Holzbalken. Zudem sind sie auf den Abfluss des römischen Bads gestoßen, der weitere Becken gespeist haben könnte.

Existenz des Bades war bekannt, unbekannt war die Anzahl der Überreste

"Der Fund kommt für uns sehr überraschend", sagt die wissenschaftliche Grabungsleiterin im Bäderquartier, Sonja Streit. Die Existenz des römischen Bads ist zwar beim Bau des "Staadhofs" in den 1960er Jahren grob dokumentiert worden, doch war unbekannt, wie viele Überreste unter dem Betonfundament tatsächlich stecken würden. "Es ist eine große Freude, dass wir neben den Holzbalken auch noch das zugehörige Becken finden konnten, das in einem sehr guten Zustand ist."

Beckenteil wird in das Bäder-Projekt integriert

Das römische Bad lasse sich noch nicht genau datieren. "Es könnte um 100 nach Christus gebaut worden sein, ist also auch fast 2000 Jahre alt. Wir hoffen, dass wir durch die Analyse der Hölzer eine Datierung erhalten werden." Das halbkreisförmige Beckenteil ist denkmalgeschützt und wird auch ins Bäder-Projekt integriert. Während der ganzen Bauphase bleibt die Apsis vor Witterung und Licht geschützt auf der Baustelle. Die Kantonsarchäologie bleibt bis Ende September vor Ort und führt ihre Grabungen parallel und in Kooperation mit den Bauarbeiten für das Botta-Bad durch.

Arbeiten schreiten zügig voran

Zügig gehen derweil die Arbeiten für das neue Thermalbad voran. Geht alles nach Plan, wird das Thermalbad des Tessiner Stararchitekten Mario Botta im Herbst 2020 eröffnet. Dann warten unter anderem neun Innen- und Außenbadebecken mit 1000 Quadratmetern Wasserflächen, Saunen und Dampfbäder auf die Besucher.