Kanton Aargau/Kreis Waldshut – Seit über zwei Jahren ist Block 1 des Atomkraftwerkes Beznau in Döttingen, Kanton Aargau, abgeschaltet. Wann er wieder ans Netz geht, ist bisher unklar. Unklar ist auch, welche Auswirkungen und Probleme auftreten könnten, wenn nach solch einem langen Betriebsstillstand der Reaktors wieder hochgefahren wird. Diese Frage stellte jetzt Sylvia Kötting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, an die Bundesregierung und wies auf das mögliche Fortschreiten bestimmer Alterungsmechanismen oder technischen Ausfälle im Reaktor hin. Bestimmte Gefahren können laut Simone Mohr vom Öko-Institut in Darmstadt beispielsweise Korrosion mit Lochfraß, Spaltkorrosion in Instrumenten oder mikrobielle Korrosion in Kühlwassersystemen sein.

Simone Mohr erklärt weiter, dass in langen Stillstandszeiten – wie bei Beznau 1 – ein mit hoher Motivation zu führendes Prüf-, Wartungs- und Instandhaltungsprogramm durchzuführen sei, um die Systemkomponenten einsatzfähig zu erhalten. Bei sich unerwartet lange hinziehenden Stillständen wie in Beznau 1 fehle gegebenenfalls diese Motivation hierfür oder das Programm sei unzureichend. Beim Wiederanfahren bestehe deshalb ein erhöhtes Potenzial für technische Ausfälle.

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium erklärt, dass für ein Wiederhochfahren eines Atomkraftwerkes, auch nach einem langen Betriebsstand, sicherheitstechnische Anforderungen eingehalten werden müssen. "Hierfür muss der ordnungsgemäße Zustand der technischen Einrichtungen gewährleistet werden", so das Bundesumweltministerium. Die Überprüfung obliege den jeweiligen nationalen atomrechtlichen Aufsichtsbehörden, also in diesem Fall das Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi). Die Atomaufsichtsbehörde Ensi prüfe aktuell immer noch die Unterlagen zum Sicherheitsnachweis für den Reaktordruckbehälter. Nach mehrmaligen Verschiebungen hätte Block 1 zuletzt am 30. April ans Netz gehen sollen.

Beznau 1, das sich etwa zehn Kilometer weit entfernt von Waldshut-Tiengen befindet, ist einer der ältesten Reaktoren der Welt und steht seit März 2015 still. Grund für den Stillstand sind 925 Materialfehler, die im Stahl des Reaktordruckbehälters entdeckt wurden. Diese seien nicht während des Betriebs des Reaktors entstanden, sondern laut Betreiberin Axpo bereits bei der Herstellung des Druckbehälters 1965 in Frankreich.

Beznau

Der Reaktor 1 des Akw Beznau wurde 1969 nach vierjähriger Bauzeit in Betrieb genommen. Drei Jahre später folgte Beznau 2. Beznau 1 ist damit das erste Kernkraftwerk der Schweiz. Beim KKW Beznau erfolgt die Kühlung mit Wasser aus der Aare. Die Anlage liefert rund sechs Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr. Zusätzlich versorgt sie ein Gebiet mit rund 18 000 Menschen mit Fernwärme.