Zürich In Zürich soll ein Mega-Flughafen entstehen

Bis zum Jahr 2030 rechnet der Flughafenbetreiber mit einem Anstieg der Passagierzahlen von heute 29 auf 50 Millionen. Das Hauptterminal 1 wird komplett neu gebaut. Eine Erweiterung der Gepäcksortieranlage ist bereits im Bau.

Zürich – Wer dieser Tage an den Flughafen Zürich fährt, wird zuerst von Kränen begrüßt. Vor den Toren des Aviatikhubs entsteht zurzeit "The Circle", ein Milliardenkomplex, der ab Ende 2019 Platz für Kongresse, Hotels und Luxus-Showräume bieten wird. Es ist aktuell die größte Baustelle der Schweiz.

Doch damit verschwindet der Baulärm vom Flughafen noch lange nicht. Im Gegenteil. Die Flughafen Zürich AG gibt im neusten Personalmagazin erstmals genauere Einblicke in ihre weiteren Baupläne. Und diese haben es in sich. Im Zentrum steht das Terminal 1 (ehemals Terminal A genannt) mit seinem Dock A, wo die Flugzeuge geparkt sind. Laut dem Artikel im Personalmagazin muss das Dock A aufgrund des baulichen Zustandes komplett rück- und neugebaut werden, inklusive des Towers der Flugsicherung Skyguide. Der Baubeginn ist für 2021 geplant, mit einer Fertigstellung wird 2030 gerechnet. Neu soll das Dock weiter nördlich zu stehen kommen, was Auswirkungen auf die bisherigen Flugstandplätze haben würde. Zudem entstünde mehr Platz für Geschäftsflächen oder Airline-Lounges im Bereich nach der Sicherheitskontrolle. Auf provisorischen Visualisierungen ist zudem zu sehen, dass das Dock deutlich länger und mit mehr Gates ausgestattet werden soll. Heute sind es 17 Flugzeug- und zehn Bus-Gates.

Nebst der alten Bausubstanz ist denn auch das erwartete Passagierwachstum der Hauptgrund für die anstehenden Bauarbeiten. "Die Prognosen lassen erwarten, dass die Zahl der Passagiere, die heute jährlich am Flughafen ankommen, abfliegen oder umsteigen, bis ins Jahr 2030 von heute 29 auf 50 Millionen wächst", heißt es im Personalheft der Flughafenbetreiberin, die zu einem Drittel dem Kanton Zürich und zu fünf Prozent der Stadt Zürich gehört.

"Im Vergleich zum heutigen Bau können die Passagierkapazitäten deutlich gesteigert werden." Im Terminal 1, dort wo heute die große Abfluganzeigetafel hängt, will die Flughafenbetreiberin vor allem den Check-in-Bereich vergrößern sowie die Kapazitäten bei der Sicherheitskontrolle. "Ohne dass sich auch die Infrastruktur am Flughafenkopf den neuen Gegebenheiten anpasst, ist ein solches Wachstum gar nicht denkbar", wird ein Flughafen-Manager im Bericht zitiert. Er vergleicht die Planung mit dem Kauf eines Mantels für ein Kind im Wachstum: "Wir wollen sicherstellen, dass es nicht schon nach kurzer Zeit wieder spannt und zwickt."

Fakt ist, dass es eine logistische Herkulesaufgabe wird, den Passagierfluss und die Baustellentätigkeiten gut aneinander vorbeizubringen – insbesondere während des Ferienansturms. Die Swiss als Hub-Airline dürfte deshalb eng in die Planung miteinbezogen werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Baustrukturen am Flughafen aus verschiedenen Epochen stammen. Firmensprecher Philipp Bircher betont, dass sich die Planungen noch in einem frühen Stadium befänden und nicht alle Eckdaten definitiv seien. Entsprechend gibt er für das Terminal 1 und das Dock A keine Budgetgröße bekannt. Eine Anhaltsgröße gibt das 2003 eröffnete Dock E, das für über 330 Millionen Franken gebaut wurde.

Bereits in Bau befindet sich die Erweiterung und Erneuerung der Gepäcksortieranlage für 470 Millionen Franken. Bis 2023/24 soll sie stehen. Und ab 2020 sollen die Flächen zwischen den Parkhäusern 1 und 2 grundlegend erneuert werden. Ziel ist eine bessere Wegverknüpfung von Bahn, Bus, Parking, Circle und den Terminals. Dazu gehört eine lichtdurchflutete Halle, in der zahlreiche Restaurants Platz finden sollen. Kostenpunkt: 250 Millionen Franken. Laut Sprecher Bircher würden alle Investitionen aus den laufenden "Cashflows" und den bestehenden finanziellen Mitteln des Unternehmens finanziert. Ob die millionenschweren Bautätigkeiten eine Erhöhung der Flughafengebühren nach sich ziehen, sei noch unklar.

Reaktionen aus Deutschland

"Die neuen Mega-Pläne des Flughafens Zürich dürfen nicht zulasten der deutschen Nachbarn gehen", schriebt die Waldshuter Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) in einer Pressemitteilung. Für die Abgeordnete stehe fest, dass es über deutschem Gebiet keine zusätzlichen Flugbewegungen geben darf. „Was die Schweizer ihrer eigenen Bevölkerung zumuten wollen, müssen sie natürlich selbst entscheiden. Für uns in Deutschland ist die Belastungsgrenze bereits deutlich überschritten. Eine Kapazitätsausweitung ist mit uns nicht zu machen. “ Angesichts dieser aktuellen Entwicklungen habe sich Schwarzelühr-Sutter direkt an das Bundesverkehrsministerium gewandt. „Es muss unbedingt geklärt werden, ob der Flughafen Zürich diese Kapazitätsausweitung und die langfristige Prognose der Passagierzahlen bereits beim Antrag des Ostanflugkonzepts offen kommuniziert hat.“

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