Auf dem Flugplatz Dübendorf nahe Zürich wird an diesem Frühsommertag ein ungewöhnliches Flugzeug für den Start vorbereitet. Seine klassischen Linien und die Aussenhaut aus Wellblech lassen auf einen Oldtimer schließen. Aber die Maschine ist neu: Der Nachbau einer Junkers F13 hat vor kurzem seine Schweizer Luftfahrt-Verkehrszulassung erhalten und soll nun in Kleinserie in Dübendorf gebaut werden.

Zwischen 1919 und 1930

Mehr als 300 Exemplare der F13 wurden zwischen 1919 und Anfang der 1930er Jahre gebaut. Sie war in den 1920er Jahren das erste Verkehrsflugzeug aus Ganzmetall mit der charakteristischen Junkers Wellblech-Außenhaut. Einige Junkers F13 waren auch in der Schweiz bei einem Vorläufer der Swissair, der Fluggesellschaft Ad Astra, eingesetzt. Bis zu vier Passagiere reisten damals in einer luxuriös eingerichteten und beheizten Kabine, ihre beiden Piloten saßen allerdings in einem offenen Cockpit.

Initiator Dieter Morszeck erfüllt sich Traum

Initiator des Nachbauprojekts ist Dieter Morszeck. Der Rheinländer war früher Eigentümer und Geschäftsführer beim deutschen Kofferhersteller Rimowa. Nach dem Verkauf von 80 Prozent seines Unternehmens im Jahr 2016 kann er sich nun intensiver seiner zweiten Leidenschaft, der Fliegerei, widmen. Morszeck ist langjähriger aktiver Pilot und fliegt seine neue F13 auch selbst. Mit ihrer Entstehung ging sein Traum in Erfüllung. Denn bereits sein Vater als Gründer der Rimowa-Kofferfabrik und Flugzeugbaupionier Hugo Junkers hätten beide gewelltes Duraluminium für ihre Produkte eingesetzt.

Initiator Dieter Morszeck (links), selbst Pilot, erfüllte sich mit dem Nachbau der F13 einen Traum. Nun sollen weitere Exemplare dieses Typs am Flugplatz Dübendorf in einer Kleinserie entstehen. Mit ihm freut sich Testpilot Oliver Bachmann. Bilder: Jürgen Schelling
Initiator Dieter Morszeck (links), selbst Pilot, erfüllte sich mit dem Nachbau der F13 einen Traum. Nun sollen weitere Exemplare dieses Typs am Flugplatz Dübendorf in einer Kleinserie entstehen. Mit ihm freut sich Testpilot Oliver Bachmann. | Bild: Jürgen Schelling

Originale F13 haben zwar in Museen überlebt, keine davon wäre allerdings flugfähig zu restaurieren gewesen. Einst war sie meist mit Reihenmotoren verschiedener Hersteller ausgerüstet, die von 170 bis zu 500 PS stark waren. Heute kommt hingegen ein US-Sternmotor zum Einsatz. Dieser leistet normalerweise 450 PS. In der F13 ist er hingegen auf etwa 380 PS gedrosselt, läut dadurch leiser und hat ein angenehm dunkles Motorengeräusch. Zudem war die F13 bereits damals in einigen Versionen mit einem Sternmotor ausgerüstet, etwa für die USA.

Die F13 neu entstand sowohl mit Hilfe von Originalplänen als auch der Vermessung einer Museumsmaschine in Paris. Dann wurde sie in klassischer Metallflugzeugbauweise neu hergestellt. Die darauf spezialisierte Firma Kaelin Aerotechnologies unter Schweizer Leitung in Oberndorf am Neckar leistete hierfür den Löwenanteil. In den 20er Jahren brachte die F13 Passagiere oder Fracht je nach Triebwerk mit etwa 140 bis 160 Stundenkilometer ans Ziel. Heute ist sie mit dem 450 PS starken Motor etwa 175 Stundenkilometer schnell.

F13 bei Luftfahrtmesse AERO in Friedrichshafen

Auch am Flughafen Friedrichshafen war die F13 schon während der Luftfahrtmesse AERO im April zu bewundern. Am schweizerischen Flugplatz Dübendorf flog einst eine originale F13, dadurch ist die historische Bindung vorhanden. Der deutsche Unternehmer freut sich, dass die Bevölkerung für Dübendorf ein Zentrum für historische Flugzeuge favorisiere, dazu passe die Junkers F13 hervorragend. Die Maschine mit Schweizer Zulassung soll kein Einzelstück bleiben. So werde konkret am Bau von drei weiteren Exemplaren gearbeitet. Die handgefertigte Maschine wird voraussichtlich 2,5 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer kosten. Die von Morszeck in Dübendorf dafür eigens gegründete Firma heißt Junkers Flugzeugwerke AG. Etwa zehn Arbeitsplätze könnten in Dübendorf in nächster Zeit dadurch neu entstehen.