Einstufungstests, Deutschkurse und Integration in den Arbeitsmarkt: Bei einer Informationsveranstaltung stellte die „Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau“ (Agathu) Neuerungen und Entwicklungen in der Betreuung von Asylbewerbern im Kanton Thurgau vor. Etwa fünfzig Personen, darunter zahlreiche mit der Betreuung von Asylsuchenden in den Gemeinden Beauftragte sowie Gemeinderäte, waren der Einladung des Vereins gefolgt.

Die Agathu spielt im Thurgau, auch aufgrund des Empfangszentrums für Flüchtlinge (EVA) in Kreuzlingen, eine Pionierrolle in der Flüchtlingsarbeit durch Freiwillige. Doch jetzt ziehen Kanton und Gemeinden allmählich nach, um eine möglichst rasche Integration der Asylsuchenden durch Spracherwerb und Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu erreichen.

Bettina Vincenz, Leiterin der Koordinationsstelle beim kantonalen Migrationsamt, informierte über die neuen Maßnahmen für die Integration von Flüchtlingen ab 24 Jahren. Dazu zählen laut Vincenz Einstufungstests, Deutschkurse auf verschiedenen Sprachniveaus, die Heranführung an den ersten Arbeitsmarkt, Qualifikationsmaßnahmen und Beratungen. Der gesamte Prozess soll nach zwei Jahren mit dem Eintritt ins Berufsleben abgeschlossen sein. Stattfinden soll dieses neue Integrationsprogramm in Frauenfeld, Weinfelden und Amriswil. Nich in diesem Sommer will der Kanton ein vergleichbares Programm auch für Minderjährige und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren auflegen.

Christine Holzer, die Beauftragte der Gemeinde Egnach am Obersee, berichtete über die Integrationsanstrengungen in ihrer Gemeinde mit etwa 4500 Einwohnern. Durch die Einbeziehung der Einwohner, Vereine, Kirchen und Ortsbehörden sei es gelungen eine Bzeihung der Bewohner zu den Asylbewerbern aufzubauen. "Das kann man nicht von oben verordnen, sondern muss es sich erarbeiten", so Holzer.

Ähnliches berichtete Jeanette Ledergerber aus Kemmental. Sie habe sich vom Kanton ein Integrationsprogramm absegnen lassen und dann angefangen Kontakte zu knüpfen. Dass etwa Asylbewerber mit den Schülern der Sekundarschule auf dem Pausenhof gemeinsam Fußball spielten, sei ein wichtiger Baustein für die soziale Integration der Flüchtlinge gewesen. Obstbauer Lukas Neuhaus berichtete von einem Flüchtlingsehepaar, dass er bei der Obsternte und anderen Arbeiten beschäftige. Bezahlt wird die Arbeit von der Gemeinde mit einem Taschengeld. Das Verhältnis zu den neuen Helfern sei gut und vertrauensvoll. Die Arbeitsmoral und Selbstständigkeit in der Bewältigung der Arbeitsabläufe stimmten den Landwirt positiv, dass die Flüchtlinge längerfristig durchaus für eine mögliche Entlastung, gerade in der Landwirtschaft, sorgen könnten.