Alles beginnt mit einer E-Mail, wie sie wohl jeder mehrfach pro Woche empfängt. Lorena Elonso will unbedingt 3,5 Millionen Euro spenden, sie stammen aus der Hinterlassenschaft ihres verstorbenen Ehemanns, ein Bauunternehmer im Auftrag der spanischen Regierung. Einzige Bedingung: ein kleiner Vorschuss muss dann doch vorher nach Spanien fließen, Lorena hat schließlich Ausgaben für die Gebühren.

Schweizer Polizei trickst Internet-Betrüger aus

Der Sprecher der Kantonspolizei Thurgau nimmt diese sogenannte Spam-E-Mail zum Anlass für ein Experiment und schreibt der angeblich spendewütigen Lorena aus Spanien zurück. Er unterzeichnet mit Hans Muster. Seit Tagen lässt sich der Schriftverkehr zwischen beiden Seiten nun auf Facebook verfolgen, und dass der Schweizer Polizeisprechers dabei zusehends Spaß gewinnt, lässt sich nicht verbergen.

Der Humor würde manchem deutschen Polizisten gut zu Gesichte stehen. So antwortet der Thurgauer Kollege auf die englische Frage, aus welchem Land (englisch: country) er komme mit: "Nein, Country-Musik gefällt mir nicht wirklich gut."

"Immer wieder fallen Menschen darauf herein und verlieren Geld"

Bei allem Jux ist der Anlass für das Experiment ein ernster. Obwohl fast jeder heute wisse, dass solche Mails am besten gleich gelöscht werden, gebe es laut des Thurgauer Polizisten "doch immer wieder Menschen, die darauf hereinfallen und sehr viel Geld verlieren".

Aus Hans Muster wird Hänsli

Artig bedankt sich die Dame für die "Botschaft" der Schweizer Polizisten, die sich als "alter Mann, der nicht jeden Tag am Computer sein kann" ausgeben. 72 sei er und – natürlich – Single. Mail für Mail kommen sich beide Seiten näher, aus Hans Muster wird bald ein gefühlsduseliges Hänsli.

Doch die vermeintliche Lorena Elonso erwartet mehr Informationen: Anschrift und Telefonnummer, zum Beispiel. Sie selbst sei sehr krank, eine bedrohliche Operation stehe an, der Geldtransfer müsse daher schnell geschehen. Ihre Ungeduld wächst, sein Interesse an einem romantischen Austauch ebenfalls. Es ist der übliche Trick von Betrügern, wie er auch auf diesseits der Deutsch-Schweizer Grenze regelmäßig angewandt wird: möglichst auf Zeit drängen, um das Betrugsopfer nicht lange nachdenken oder gar um Rat fragen zu lassen.

Ausgang der Liebesgeschichte per E-Mail? Noch offen

Schließlich bittet Lorena ihr Hänsli noch, sich für alles weitere doch besser an ihren Anwalt zu wenden. Der sendet schließlich noch einige pseudo-offiziellen Dokumente, die es noch zu unterzeichnen gilt – samt Passnummer, Beruf und Familienstand. Das Ende der Geschichte? Derzeit noch offen, der Mailverkehr läuft noch. Eines dürfte aber klar sein: einen Fränkli-Vorschuss wird Lorena Elonso wohl nicht erhalten.