Neuhausen am Rheinfall – Die Schweizer Gemeinde Neuhausen am Rheinfall testet derzeit den Betreib von führerlosen Kleinbussen. Peter Schneck, Geschäftsführer von Trapeze Switzerland, Dominique Müller, Geschäftsführer der AmoTech, Christoph Schärrer von der Wirtschaftsförderung des Kantons Schaffhausen und Bruno Schwager, Direktor der Schaffhauser Verkehrsbetriebe, stellten in Neuhausen am Rheinfall/Schweiz das gemeinsame Pilotprojekt "ÖV-Lab am Rheinfall" vor. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Schaffhauser und Zürcher Verkehrsbetriebe, der Firma Trapeze und der ETH Zürich, das zum Ziel hat, dass Busse künftig führerlos im öffentlichen Verkehrsnetz unterwegs sind.

Peter Schneck bezeichnete das Vorhaben als Meilenstein für den Öffentlichen Verkehr und die Mobilität der Zukunft. Auf dem SIG Areal laufen seit Juni bereits die ersten Testversuche mit einem von der französischen Firma Navya eigens dafür angeschafften elektrisch betriebenen Kleinbus. Das runde Fahrzeug, das hinten und vorn gleich aussieht, kann elf Personen befördern, selbstständig lenken, bremsen und Hindernisse erkennen. Noch in diesem Jahr soll der Bus auf einer weiteren Teststrecke zwischen dem Industrieplatz und dem Schlössli Wörth am Rheinfallbecken verkehren und später den Verkehrsbetrieb in Neuhausen ergänzen.

"Wir wollen nicht nur etwas hin und herfahren, sondern den Bus ins öffentliche Verkehrsnetz einbinden", bemerkte Bruno Schwager, der eine Lösung für die gesamte Branche anstrebt. Touristen sollen dann vom Ortskern und diversen Bushaltestellen direkt zum Rheinfall gelangen und verschiedene Informationsstelen werden den Fahrgästen Echtzeitinformationen zu Abfahrt, Ankunft und Umsteigemöglichkeiten liefern. "Selbstfahrende Fahrzeuge werden künftig dafür sorgen, bislang nicht befahrene und unrentable Strecken kostengünstig betreiben zu können", so Schwager. In Schaffhausen sollen künftig auch chauffeurlose Taxis verkehren, die man per App bestellen kann. Kleinere "Gefäße" holen die Fahrgäste zuhause ab und übergeben sie an größere Fahrzeuge.

Schwager bemerkte, dass es nicht darum geht, Busfahrer einzusparen und betonte, dass die bestehenden Hauptlinien zwar mit Elektrofahrzeugen, aber weiterhin mit Chauffeuren besetzt bleiben. Zudem werden neue Arbeitsplätze für Wartung und Technik entstehen. Die Schaffhauser Verkehrsbetriebe wollen auch zehn neue E-Busse anschaffen, am Bahnhof Schaffhausen elf Ladestationen aufbauen und das Busdepot Ebnat erweitern. Auch die bestehenden Trolleybusse sollen auf Batteriebetrieb umgebaut und die Fahrleitungen sukzessive zurückgebaut werden. Bis 2029 soll die Flotte auf batteriebetriebene Elektrofahrzeuge umgestellt sein.

Das marktführende Unternehmen Trapeze beschäftigt an seinem europäischen Hauptsitz in Neuhausen 250 Mitarbeiter und bietet weltweit umfassende Lösungen für den öffentlichen Personenverkehr an. Schneck bemerkte, dass die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt habe, dass in 20 Jahren das individuelle Fahren die Ausnahme sein werde. "Es wird schneller gehen", betonte Schneck. "In zehn Jahren werden wir zwar nicht alle autonom fahren, aber es wird ein Mischbetrieb geben", so Schneck. Es gibt zwar bereits ähnliche Pilotprojekte wie in Neuhausen, doch keine, die ins öffentliche Verkehrsnetz eingebunden werden. Die Firma Trapez gründete die eigene Start-up Tochterfirma Amo Tech, die in Neuhausen ein Open-Air-Labor für autonome Mobilität im öffentlichen Personenverkehr aufbaut und betreibt. In diesem Kompetenzzentrum können verschiedene Mitstreiter sämtliche Technologien testen und weiterentwickeln. "Die Sicherheit des Menschen wird dabei immer im Mittelpunkt stehen", waren sich die Referenten einig.