Trockenheit, Hitze und Borkenkäfer waren in diesem Jahr schweizweit die großen Herausforderungen der Förster. Die Schweizer Waldfachleute stellen in den vergangenen 20 Jahren eine Zunahme von extremen Wetterereignissen fest. Seit Messbeginn im Jahr 1864 hat es in weiten Teilen der Schweiz zwischen April und August noch nie so wenig geregnet wie in diesem Jahr. In den östlichen Landesteilen der Alpennordseite regnete es weniger als die Hälfte des langjährigen Mittels. Zudem übertrafen die Temperaturen von April bis Juli noch den Jahrhundertsommer 2003 und stellten die wärmste Periode seit 150 Jahren dar.

Im Kanton Schaffhausen sind der obere Kantonsteil und der Reiat im Osten am stärksten betroffen. In diesem Jahr sind die Bäume einem Dauerstress ausgesetzt. Der trockene April führte zu massivem Pollenflug, was bei den Bäumen zu massivem Fruchtbehang führte. Durch die Wasserknappheit und die Hitze wurden die Bäume zusätzlich belastet. Um nicht zu verdursten, schließen die Bäume die Spaltöffnungen in den Blättern. Ab Mitte Juli begann sich das Laub einiger Baumarten zu verfärben und war Anfang August bereits braun.

Über 90 Prozent der Eichen eines 15 Jahre alten Bestands sind verdorrt

Kantonsforstmeister Bruno Schmid und der Förster des Kantonswaldreviers Stein am Rhein, Walter Müller, fanden im Hemishofer Waldgebiet Sankert erschreckende Laubbaumbestände vor, die auf den Kiesböden kein Wasser speichern konnten. In einem etwa zwei Fußballfelder großen 15-jährigen Eichenbestand, der für die nächsten 150 bis 200 Jahre angepflanzt wurde, sind über 90 Prozent der Bäume verdorrt. Einige Bäume bildeten zwar sogenannte Angsttriebe, die zum Überleben aber nicht ausreichten. Auf einem zwei Hektar großen Ahorngebiet wurden die Bäume durch einen Pilz derart geschwächt, dass etwa 70 Prozent nicht mehr austreiben werden. Innerhalb weniger Wochen verfärbten sich auch die Kronen von über 100 Jahre alten Föhren und werden absterben. Schmid bemerkte, dass die Föhren Anfang August noch eine gute Qualität hatten. Etwa 50 Bäume, die in der Sonne schmorten, haben den Sommer nicht überstanden.

Der Staatsförster Walter Müller zeigt, dass die jungen Eichen noch Angsttriebe bilden, obwohl sie bereits komplett dürr sind.  Bild: Thomas Güntert
Der Staatsförster Walter Müller zeigt, dass die jungen Eichen noch Angsttriebe bilden, obwohl sie bereits komplett dürr sind. Bild: Thomas Güntert

"Man kann nur hoffen, dass nicht nochmal so ein Jahr kommt", betonte Hansruedi Kohler, der im oberen Kantonsteil für den Gemeinde- und Privatwald zuständig ist. Die Fichte wird sich langfristig nicht halten können und die Struktur des Waldes wird sich in den nächsten Jahrzehnten verändern. Der Schaffhauser Forst überlegt sich, ob er die Fläche nach dem Abholzen der Naturverjüngung überlassen oder bepflanzen soll. Vielleicht wird das Gebiet auch für Testpflanzungen verwendet.

Am hinteren Wolkensteinerberg bei Stein am Rhein erklärte Bruno Schmid, dass der Jahreshiebsatz im Kanton bei 70 000 Kubikmeter liegt und von April bis Ende September im Schaffhauser Kantonswald bereits 20 000 Kubikmeter Käferholz aufgerüstet wurden. Zudem stehen noch 7000 Kubikmeter Käferholz im Wald und viele geschwächte Bäume werden das kommende Jahr nicht überstehen. Das Jahr 2018 verglich er mit dem Horrorjahr 2003, in dem es 40 000 Kubikmeter Käferholz gab.

Im oberen Schaffhauser Kantonsteil gibt es praktisch keinen Fichtenwald mehr, der nicht vom Borkenkäfer befallen ist.  Bild: Thomas Güntert
Im oberen Schaffhauser Kantonsteil gibt es praktisch keinen Fichtenwald mehr, der nicht vom Borkenkäfer befallen ist. Bild: Thomas Güntert

Walter Müller hat im Kantonswaldrevier Stein am Rhein bereits über 100 Prozent der geplanten Holzernte mit dem Käferholz erreicht. Geschwächte Bäume haben keine Chance. Das Problem seien auch die zahlreichen Privatwaldbesitzer, die ihr Käferholz nicht aus dem Wald schaffen. "In Ramsen sind beispielsweise zwei Drittel des Waldes in Privatbesitz", sagte Hansruedi Kohler. Bund und Kanton unterstützen die Waldbesitzer finanziell bei Maßnahmen zur Verhütung von Waldschäden. Geld gibt es für das Abführen von befallenen, nicht entrindeten Stämmen auf Zwischenlagerplätzen außerhalb des Waldes, Entrinden von befallenen Stämmen im Wald und das Hacken von befallenem Fichtenbruchholz und Kronenmaterial im Wald.

Unter der Baumrinde sind die Borkenkäfer und ihre Fraßspuren gut zu erkennen.  Bild: Thomas Güntert
Unter der Baumrinde sind die Borkenkäfer und ihre Fraßspuren gut zu erkennen. Bild: Thomas Güntert

Die letzten zwei Stürme, Burglind und jener am 2. August 2017, füllten zusammen mit dem Käferholz die Rundholzlager und sorgten für ein europaweites Überangebot. In der Ostschweiz sind in diesem Jahr rund 180 000 Kubikmeter Käferholz angefallen. Markus Fotsch warnte davor, dass Käferholz nach etwa drei Wochen vom Blauschimmelpilz befallen und dafür nur noch 50 Franken (44 Euro) für den Kubikmeter gezahlt wird. Im letzten Jahr lag der Preis für verblautes Holz noch bei 65 Franken. Für Frischholz wird hingegen 90 Franken pro Kubikmeter gezahlt.