Neuhausen Eine Postkarte vom Rheinfall in Neuhausen reist in mehr als 100 Jahren um die Welt

Eisenbahnfan Günther Klebes aus Erlangen ersteigert eine historische Ansicht der Rheinfallbahn. Der Anbieter der Ansichtskarte stammt aus Südafrika.

Im Zeitalter der sozialen Medien, von E-Mails und WhatsApp scheint die gute alte Postkarte nur noch etwas für Traditionalisten zu sein. Oder für Sammler wie Günther Klebes. Der 69-jährige Franke liebt alte Postkarten, genauer: solche mit eisenbahnhistorischen Motiven aus dem deutschsprachigen Raum. Seine jüngste Errungenschaft ist eine Ansichtskarte mit einem Zug der Rheinfallbahn auf der dortigen Brücke.

„Ich bin bei einer luxemburgischen Internet-Auktion auf die Karte gestoßen und habe mir gesagt: ,Den Zug über dem Rheinfall, den muss ich haben'", sagt der Schulbusfahrer, der in Erlangen zu Hause ist. Postkarten, die die unterschiedlichsten Züge und Brücken in der Schweiz zeigen, gehören schon länger zu seiner rund 600 Exponate umfassenden Sammlung. Doch diese romantische Ansicht vom Rhein, die fehlte noch. Um 1910 ist die Karte in Zürich gedruckt worden. Versandt wurde sie allerdings nie.

„Erstaunlich fand ich auch, dass der Anbieter eine Adresse in Südafrika hatte“, erklärt Klebes. Weil er der einzige Bieter war, konnte er die Wunschkarte auch noch zum Schnäppchenpreis von gerade einmal 2,50 Euro erwerben. „Das ist eigentlich viel zu billig“, kommentiert das der Käufer. Normalerweise wäre er bereit gewesen, dafür bis zu fünf Euro auszugeben; denn es war eine selten angebotene Karte. Diesen Preis zahlte er aber dann auch, da noch das Porto für einen eingeschriebenen Auslandsbrief dazu kam. Es gebe aber auch Philokartisten, die einen zweistelligen Betrag für eine Ansichtskarte hinblättern würden.

Wie das gute Stück aus dem Kanton Schaffhausen nach Südafrika gekommen ist, darüber kann der Sammler nur spekulieren. „Ob dahinter eine Auswanderung steht oder einfach ein Bündel alter Postkarten nach einer Haushaltsauflösung an einen Händler veräußert wurde, der die Karten über das Internet weiter vermarktet, weiß ich nicht“, sagt Klebes. Er hat auch schon Karten aus Australien, Israel, oder Kanada erworben.

Seine Sammelwut in Sachen Bahn-Postkarten ist übrigens kein Einzelfall: „Es gibt sogar eigene Ausstellungen für Eisenbahn-Philatelisten“, sagt Klebes und durchforscht schon wieder das Internet nach Exponaten wie der Ansichtskarte aus der Schweiz.

Der 69-jährige Klebes sammelt nach eigenem Bekunden begeistert „alles, was mit der Bahn zu tun hat – außer echte Lokomotiven“. Bei ihm zu Hause stehen Modelle und historische Uniformmützen – die so genannten „Rotkäppchen“– neben zahllosen selbst geschossenen Fotos und Alben voll einschlägiger Telefonkarten und Briefmarken. Daneben arbeitete der Schulbusfahrer und dreifache Vater ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission, als Hobby nennt er Bahn fahren, und selbst auf Hochzeitsreise ist er vor 35 Jahren mit dem Glacier-Express von St. Moritz nach Zermatt gefahren. Sehr oft ist er mit der Bahn unterwegs – frei nach dem Motto: „Der Weg ist das Ziel“. Auch am Rheinfall in Neuhausen kam er schon mehrmals auf seinen Exkursionen in die Schweiz vorbei.

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