„Hier bin ich“ – und wie sie das war! In der Kammgarn Schaffhausen kam sie pünktlich um 21 Uhr auf die Bühne, im gewohnten Look mit Anzug und Hut, betont lässig und unter großem Beifall. Das Publikum war eher älteren Jahrgangs – kein Wunder – eroberte doch Marla Glen schon 1993 mit ihrem Album „This Is Marla Glen“ den europäischen Musikmarkt. Angefangen hat alles im berühmten Chicagoer Club "Kingston Mines". Im Alter von 15 Jahren stand sie in ihrer Heimatstadt das erste Mal auf der Bühne.

Über Nacht berühmt wurde sie, nachdem 1995 der Song „Believer“ in einem C&A-Werbespot verbreitet wurde. Im harten Musikgeschäft klar zu kommen, ist nicht einfach. Diese Erfahrung musste auch Marla Glen machen. Ihre Meinung dazu: „Im Musikbusiness wird sehr viel Geld verdient, aber der Musiker sieht davon leider nur wenig.“ So kam es, dass sie nach Europa ging, um sich mit Managern und Anwälten herumzuschlagen. Sie blieb, regelte ihr Leben neu und nach einer längeren Schaffenskrise kam sie musikalisch zurück. Seit mehr als 15 Jahren lebt Marla Glen nun in Deutschland.

Mit ihrer charismatischen Erscheinung zog sie auch das Schaffhauser Publikum in ihren Bann. Der größte Hit „Believer“ wurde von den circa 600 Zuhörern in der Kammgarn bejubelt, genauso „Cost Of Freedom“, „Travel“ und „It's A Man's World“, die Coverversion von James Brown. Direkt unter die Haut ging auch die Interpretation von „Ruby Tuesday“. Ihre rauchige, tiefe Stimme ist unverkennbar. Scherze mit den Bandmitgliedern auf der Bühne sowie die Bemerkung „passiert in meinem Alter“, als sie ihre Blues-Harp verlegt glaubte, obwohl sie am gewohnten Ort lag, schafften Nähe zu dieser authentischen Künstlerpersönlichkeit. Glens markantes Lachen ist ansteckend.

Mit Soul-Balladen traf sie mitten ins Herz. Das Publikum ging dabei genauso mit wie bei „We're Gonna Rock The House“. Die Bandbreite ihres Repertoires demonstrierte die stilistische Vielfalt Marla Glens. Nicht nur Chicago-Blues, sondern Jazz, Soul, afrikanische- und Ethnoklänge beeinflussen ihre Lieder, die sie selber schreibt. Sie mag auch keine Texte ohne Aussage. Daher geht es in ihren oft um soziale Gerechtigkeit, wie in „Cost Of Freedom“. Eindringlich, mit Einsatz des ganzen Körpers, bringt sie ihr Anliegen dem Publikum nahe.

Mehr als zwei Stunden stand Marla Glen auf der Bühne. Das hielt sie nicht davon ab, sich danach noch unter die Menschenmenge zu mischen. „Nach Schaffhausen komme ich gerne wieder“, meinte sie und bedankte sich für die begeisterte Stimmung im Kammgarn. Mit Zurufen und anhaltendem Applaus hoffen die Schaffhauser auf ein Wiedersehen mit ihr.