Frau Ackermann, Sie sagen, das ungeklärte Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union bereite Politik und Wirtschaft in unserer Region große Sorgen. Können Sie diese Sorge noch weiter konkretisieren?

Klare Verhältnisse zwischen der EU und der Schweiz sind für Basel und seine Wirtschaft sehr wichtig. Das hat zum Einen mit den vielen Grenzgängern zu tun; das hat zum Anderen aber auch mit der engen wirtschaftlichen Verflechtungen zu tun. Für unsere Leitindustrien Pharma und Life Sciences ist der europäische Markt sehr wichtig.

Aber nochmal, was sind Ihre konkreten Befürchtungen?

Wir fürchten, dass eine anhaltende Unsicherheit die Wirtschaft verunsichert – mit allen negativen Folgen bis hin dazu, dass das Anwerben von Fachkräften schwieriger wird und Investitionen aufgeschoben, wenn nicht aufgehoben werden.

Fürchten Sie auch um das Potenzial der Grenzgänger?

Auch wenn die Zahl der Grenzgänger im Kanton zuletzt nicht mehr weiter angestiegen ist, sind sie für Basel-Stadt von hoher Bedeutung – in der Wirtschaft, aber auch im Gesundheitswesen, in den Spitälern und auch in der Verwaltung. Aber letztlich sind es mehr Themen, die die Schweiz möglichst schnell mit der EU klären muss. Dazu gehört zum Beispiel auch die Entsenderichtlinie. Unsere Wirtschaft braucht auch da Planungssicherheit.

Was fordert der Kanton Basel-Stadt von der Schweiz?

Die Schweiz soll sich entscheiden. Wir brauchen möglichst bald eine Einigung.

Haben Sie auch Forderungen gegenüber der EU?

Es ist nicht Sache des Kantons Basel-Stadt, gegenüber der EU Forderungen zu erheben. Da gibt es eine klare Arbeitsteilung. Das ist und bleibt Sache der Eidgenossenschaft und der Schweizer Regierung. Unsere Rolle ist es, in diesem Gefüge in der Schweiz für unsere Positionen zu werben.

„Handeln wir wie Optimisten“, so lautete der Appell zum Schluss Ihrer Rede. Was wäre in puncto Rahmenabkommen mit der Europäischen Union eine optimistische Lösung?

Optimistisch heißt, dass wir in diesem Jahr eine Lösung finden.

Und was wäre der schlimmste Fall?

Dass wir am Jahresende immer noch keine Lösung haben.