Liebesbriefe schreiben war gestern. Heute werden E-Mails verschickt. Aus einer Zufallsbegegnung im Internet entwickelt sich eine humorvolle, spannende, aber auch gedankenvolle Online-Beziehung in der bittersüßen Komödie „Gut gegen Nordwind“ nach dem gleichnamigen Erfolgsroman von Daniel Glattauer. Bei dem berührenden Thema handelt es sich um Liebe in Zeiten des Internets. Die postmoderne Version des Briefromans, eine Art „Love Letters“ der Computergeneration, spielt das Kammertheater Riehen in einer unterhaltsamen Bühnenadaption.

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In dem Zwei-Personen-Stück verliebt sich die verheiratete, einsame und lebenshungrige Werbefrau Emmi in ihren Zufalls-Mailfreund Leo. Aus dem ersten Internet-Date entwickelt sich ein herzlicher wie fordernder virtueller Flirt. Beide tauschen ihre Gefühle und Sehnsüchte aus, schreiben sich den Frust von der Seele. In ihren Posteingängen läuft ständig eine Liebesmail ein, so entsteht ein reger digitaler Briefverkehr im virtuellen Raum. Sie geben sich digitale „Küsschen“, streiten und versöhnen sich wieder, betrinken sich, planen ein Rendezvous, machen Annäherungsversuche und ihre Mails werden immer erotischer: „Emmi schreiben ist Emmi küssen.“ Die Liebesdialoge sind wie Telefonsex, nur ohne Telefon und Sex.

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Nach anfänglich neutralem Geplänkel entwickeln sich immer schnellere Dialoge und es kommt zu einer intimen Kommunikation. Trägt er Pyjama? Schläft sie nackt? Die quirlige Emmi, die sich in „Mr. Anonym“ verliebt hat und süchtig nach seinen Mails ist, würde es gerne wissen. Und er, der noch immer Beziehungsprobleme mit seiner Ex verdaut, ebenfalls. Tiziana Sarro und Simon Rösch spielen die moderne Online-Beziehungsgeschichte als zarte E-Mail-Liebesromanze hinterm Notebook. Sarros Emmi ist temperamentvoll, energisch, charmant-bissig und verletzlich. Wenn sie mal ein paar Tage keine Mails von ihrem Traummann kriegt, ist sie verzweifelt. Rösch, der auch etwas den verklemmten Verbalerotiker mimt, ist vernarrt in seine Fantasie-Emmi.

Weitere Aufführungen

Regisseurin Isolde Polzin schafft für die beiden Briefpartner in zwei kleinen Zimmern mit Schreibtisch und Laptop eine emotionale Nähe – obwohl es im Stück zu keiner direkten Begegnung kommt. Das will aber dargestellt sein. Diese Trennung von Außen- und Innenwelt ist in der Inszenierung gelungen. Aufführungen am 17./18./19. sowie 24. bis 26. Mai, 20 Uhr.