Sie sind ein ungleiches Paar: der Autist und die Tänzerin. Sie, geschientes Bein, Karriereknick, lauter Lebenslügen; er, Wissenschaftler mit Asperger-Syndrom, einer speziellen Form des Autismus mit einer extremen Angst vor Körperkontakt und sozialer Kommunikation. Er kann nicht tanzen, weil er nur denken kann. „Die Tanzstunde“ des amerikanischen Theater- und Filmautors Mark St. Germain ist eine Komödie mit starkem Inhalt, die an verschiedenen deutschen Theatern aufgeführt wurde.

Zwei-Personen-Stück

Das Förnbacher Theater Basel bringt das bittersüße Zwei-Personen-Stück, das mehr französischen Komödien als einer Broadway-Show ähnelt, auf die Bühne der Theaterhalle im Badischen Bahnhof. Diese Aufforderung zum Tanz handelt von der Geschichte einer Tänzerin mit einem gebrochenen Bein und einem introvertierten Professor mit Berührungsphobie, der Tanzunterricht nehmen will. Die leidenschaftliche, aber gehandicapte Frau und der jede soziale Interaktion scheuende Mann kommen sich langsam näher, müssen dabei zwischenmenschliche Hürden und Rückschläge überwinden.

Gefühlvoll und unterhaltsam

Wie sich diese beiden annähern, sogar lieben lernen, obwohl es ihm schwer fällt, eine Beziehung aufzubauen, und für sie der Unfall schlecht als Tänzerin ist, führen Nic Aklin und Daniela Bolliger in der Regie von Helmut Förnbacher gefühlvoll und unterhaltsam vor. Aklin als verklemmter, hypernervöser Ever weicht panisch vor jeder kleinsten Berührung zurück und hat eine Kuss-Phobie. Bolliger als innerlich und äußerlich verletzte Tänzerin Senga humpelt zurückgezogen durch die Wohnung und isoliert sich, hat aber noch den Rhythmus, den Beat im Blut.

Annäherung der Außenseiter

Aklin und Bolliger spielen die Charaktere und die behutsame gegenseitige Annäherung der beiden Außenseiter überzeugend aus. Der Zuschauer ist berührt, wenn sie sich ihm mit „Luftküssen“ nähert und er bei ihr ein verstecktes Tattoo findet. Am offenen Schluss tanzen sie Walzer im Smoking und Abendkleid als Imagination.

Sehenswerte Kulisse

Das Stück und die Inszenierung, die neben einer sehenswerten Kulisse der Skyline von New York auch mit filmischen Elementen und Videoeinspielungen aufwartet, leben von dem komödiantischen Zusammenprall zwischen Emotion und Ratio und den zwei grundverschiedenen Typen. Ums Tanzenlernen geht es eigentlich gar nicht, das ist nur die Folie für eine psychologische Tanzstunde als Lebenshilfe.

Vorstellungen im Förnbacher Theater Basel sind am 8.,15. und 20. Juni, jeweils 20 Uhr. Reservierung unter der Telefonnummer 004161/361 90 33.