Er hat eine der schönsten Wohlklangstimmen der Alte Musik-Szene: der Countertenor Valer Sabadus. Im Saal des Landgasthofs "Riehen" sang der jugendlich wirkende deutsch-rumänische Sänger aus Bayern in der Reihe "Classiques!" Zeitloses von Johann Sebastian Bach und Opernraritäten von Georg Philipp Telemann und wurde dabei vom Kammerorchester Basel wie auf Wolke sieben getragen. Mit Bach-Arien wie "Schlafe mein Liebster" oder "Ich habe genug" in der Fassung für Sopran hatte sich Sabadus barocke Ohrschmeichler ausgesucht, die zu seiner einzigartigen und berührenden Stimme, seinem samtweichen Ton und seinem androgynen Timbre passten. Dabei gab die Arie "Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust" aus der gleichnamigen Bach-Kantate dem Programm den Titel. Die Geigerin Julia Schröder und die Oboistin Emma Black, die auch in Instrumentalwerken Bachs brillierten, traten hier in einen inspirierten Dialog mit Sabadus' Sanftmut-Stimme, die aber über eine glasklare, glockenreine Höhe und virtuose Koloraturgeläufigkeit verfügt.

Stimmschön und puristisch

Vielleicht ist diese Stimme nicht die dramatischste, aber eine gerundete, die natürlich fließt und sich mühelos vom Mezzosopranbereich bis in den Sopran aufschwingen kann. Stimmschön und puristisch klar singt Sabadus Bach, balsamisch, einschmeichelnd und kontemplativ: eine sehr persönliche, intime Hommage an den Thomaskantor und "fünften Evangelisten". Dass der bekannte Countertenor aber auch exaltiertere Posen liebt, zeigt er in Rollen aus der Barockoper. Die selten aufgeführten Arien Telemanns lohnen sich, aus der Versenkung des Opernfundus geholt zu werden.

Sabadus glänzt als verliebter persischer Fürst

Wer kennt schon die Figur des Prinzen Honoricus? Ein standhafter, ja stoischer Held, der eine Prinzessin heiraten soll, diese Gefühle aber ablehnt. Kann er die mit sprechendem Fagottklang begleitete Arie "Zeige dich, geliebter Schatten" aus dem 1722 an der Hamburger Oper am Gänsemarkt uraufgeführten Singspiel "Sieg der Schönheit" noch ausgesprochen weich singen, muss Sabadus in der affektreichen Arie "Lass in Augen Feuer blitzen" die scharfe Stimmklinge wetzen. Dramatik bringt er auch in der Arie des Zemir ("Eifersucht, du Kind der Höllen") aus Telemanns Singspiel "Miriways" ein, einem historischen Stoff mit Liebeshändel um einen Eroberer. In dieser Mezzosopranrolle glänzt Sabadus als verliebter persischer Fürst. Heroisch bleibt es auch in der Arie aus "Flavius Bertaridus", einer Opera seria, die in Norditalien im 7. Jahrhundert spielt, wo der vertriebene und abgesetzte König der Longobarden als Titelheld auftritt. Dieser Arien-Reigen war ein interessanter Streifzug durch die unbekannte deutsche Barockoper.