„Solo on Piano“ war das Soloprogramm des amerikanischen Pianisten und Arrangeurs Uri Caine im Rahmen der Ausstellung „Re-Set: Aneignung und Fortschreibung in Musik und Kunst“ im Museum Tinguely in Basel betitelt. Zu erleben waren ein beinah unglaubliches Solo und ein Pianist, der mitreißend über Mozart, Bach und Gustav Mahler philosophiert und improvisiert.

Der New Yorker Musiker, gleichermaßen in Klassik wie Jazz beheimatet, der mit seinen radikalen Bearbeitungen von Werken Mahlers und Wagners bekannt wurde, zelebrierte seine innige persönliche Beziehung zu Gustav Mahler in einer ausgedehnten Improvisation über das berühmte Adagietto aus der fünften Sinfonie, das im Film „Tod in Venedig“ populär wurde. Fortwährend entwickelt und verwandelt sich das Thema, wandert in verschiedene Stimmungen. Plötzlich vernimmt man Mahlers Lied eines fahrenden Gesellen („Wenn mein Schatz Hochzeit macht“), wobei Caine die Melodie sanft umspielt. Nach diesen Ausflügen mit einer großen emotionalen Bandbreite und reichen Kontrasten kehrt er zum Adagietto zurück.

Angefangen hat Uri Caine mit einer Dekonstruktion von Mozarts Klaviersonate Nr. 16. Da meint man schon mal, die Beatles herauszufiltern. Übergänge, Entwicklungen und Schlüsse Mozarts bieten sich für Caines Aneignungen geradezu an, denn seine Freiheiten und Ausschmückungen basieren auf der ursprünglichen Struktur der Stücke. Die Sonatenform verdichtet sich in Caines kultiviertem, Blues- und Boogie-Woogie-gefärbtem Anschlag. Unerhört ist es, wie dieser Mozart aufhört: mit modernen Clustern.

Wenn Caine improvisiert, dann strukturiert. Teilweise sind es auch auskomponierte und notierte Improvisationen, etwa die beiden Madrigale von Carlo Gesualdo. Gar nicht einfach, diese reine Vokalmusik aufs Klavier zu übertragen, was ihm aber mit der Harmonisierung gelingt. Und dann natürlich die Goldberg-Variationen! Die Aria erklingt in verschiedenen Jazzstilen. Und da Bach Tanzformen in seine Variationen aufgenommen hat, fügt Caine weitere, wie Tango und Mambo, hinzu und bezieht Musikstile von Stockhausen bis Monk ein. Kongenial, wie Uri Caine den barocken Tanzformen seinen unverkennbaren Stempel aufdrückt.