Betont wenig Wehmut war am ersten Messetag zu spüren. Die Muba Basel geht ihren gewohnten Gang zwischen Massagesesseln, Wohnzimmereinrichtungen, exotischen Gästen und heimischen Leckereien. Vielleicht ist sie ja mal was wert.

Vielleicht ist der Mann, der kurz nach Toresöffnung gleich einen ganzen Stapel Muba-Tüten vom Haken nimmt und einpackt, nur einer von den Messebesuchern, die alles hamstern, was gratis ist. Die Tüte, das treue, unverzichtbare Utensil zum Sammeln von Prospekten und Werbegeschenken, die heutzutage Giveaways heißen.

Im Bereich des Gastlands Japan wird den Messebesuchern Sushi gereicht.
Im Bereich des Gastlands Japan wird den Messebesuchern Sushi gereicht. | Bild: Kathrin Ganter

Auch sie wird nun bald nicht mehr gebraucht und sicher wandert das eine oder andere Exemplar mit ins Historische Museum, zusammen mit dem Gästebuch, in das sich am Eingang jeder Besucher eintragen kann, und anderen Muba-Reliquien. Es seien historische Erinnerungsstücke, die man ans Museum gebe, aber auch aktuelle Dinge, die irgendwann historisch sein werden, sagte Messeleiter Daniel Nussbaumer bei der Pressekonferenz zur Eröffnung.

Diese war wenig emotional. Nussbaumer und die Mediensprecherin Sabrina Oberländer stellten wie gehabt das Programm vor, die Sonderschauen und spezielle Aussteller. Ein Besucherziel habe man sich nicht gesetzt, sagt Nussbaumer: „Das Stammpublikum soll einfach noch einmal seine Freude haben.“ Auch was kommt, bleibt geheim.

Es werde definitiv keine neue Muba geben, sagt der Messeleiter. Diverse Initiativen seien da, aber man könne noch nichts Genaues sagen. Und was sind schon Zahlen? Zur 50. Muba sollen in den 60er-Jahren eine Million Besucher gekommen sein. „Die Zahl ist bekannt, aber nicht bekannt ist, wer die gezählt hat“, scherzt Nussbaumer und will sagen: So viele sind es wahrscheinlich nie gewesen.

Aber doch bedeutend mehr als die im vergangenen Jahr gezählten 124 000. Heutzutage würde, wenn der Frigor kaputt geht, keiner mehr warten bis zur nächsten Muba, um dort einen neuen mit zehn Prozent Messerabatt zu kaufen, sagte Ulrich Vischer, Präsident des Verwaltungsrats der Messe Schweiz, bei der Eröffnung: „Heute werden die Konsumbedürfnisse subito befriedigt.“

Der Anfang vom Ende der Muba sei jedoch kein Grund, in Depressionen zu verfallen. „Sie hat ihre Schuldigkeit getan“, sagte Vischer und blickte zurück in die Geschichte der „Mutter aller Messen“ – für die einmal mit dem Bild einer unbekleideten schwangeren Frau geworben wurde – was für große Empörung sorgte. Aus dem Schoß der Muba, die 1917 als Leistungsschau für die vom Krieg gebeutelte Industrie gegründet wurde, gingen verschiedene Fachmessen hervor, darunter die Baumesse Swissbau und die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld.

1936 blickte noch stolz der stählerne, blauäugige Schweizer vom Muba-Plakat.
1936 blickte noch stolz der stählerne, blauäugige Schweizer vom Muba-Plakat. | Bild: Kathrin Ganter

In den Hallen hält sich der Andrang am Freitag noch in Grenzen. Eine Schülergruppe quetscht sich in einen ausgestellten Tesla, die Möbelverkäufer warten stoisch auf Kunden, freundlich lächelnde junge Frauen verteilen im – wunderschön präsentierten – Gastland Japan Sushi. Eine richtig lange Schlange bildet sich nur am Bewirtungsstand des großen schwedischen Möbelhauses – wo es Billighackbällchen gibt.

Es gibt aber auch tatsächlich Neulinge auf der letzten Muba. Eric Pauli von Recycle Art aus Hermetschwil im Aargau ist mit seinen Skulpturen, die er und sein Kompagnon in Südostasien aus alten Auto- und Motorradteilen fertigen lassen, zum ersten Mal an der Muba. Zum ersten und zum letzten Mal. „Schon verrückt“, sagt er, „wenn man bedenkt, dass es die Muba mehr als hundert Jahre lang gab...“

Info: Muba, bis 17. Februar, täglich 10 bis 19 Uhr. Sonderschau „Now the Fair“ für Design und Nachhaltigkeit an den Wochenenden. Der Eintritt ist zum Abschied frei.