Die Tafel ist gedeckt und bereit für das große Essen bei Kerzenschein. Das Menü besteht aus Schildkrötensuppe, getrüffelten Wachteln in Blätterteig und Spitzenweinen aus teuren Jahrgängen: ein Fest der Sinne und des Gaumens. Das suggeriert die Gourmet-Novelle „Babettes Fest“ der dänischen Erfolgsautorin Tania Blixen. Das lukullische Märchen wird in einer szenischen Einrichtung von und mit Verena Buss als Ein-Personen-Stück im Förnbacher Theater in Basel aufgeführt. Das Essen ist in dem subtilen Kammerspiel reduziert auf einen langen Tisch mit Kandelabern, Gläsern und Flaschen, das Bühnenlicht auf Kerzenschein gedimmt.

Die französische Meisterköchin Babette flieht nach der vereitelten Pariser Kommune 1871, wo sie mit auf die Barrikaden ging und die Gewehre für die Männer lud, in einen streng pietistischen Haushalt nach Norwegen. Askese bestimmt künftig ihren Alltag, sie muss Stockfisch und Brotsuppe mit Bier kochen. Als sie eines Tages 10 000 Francs in der Lotterie gewinnt, will sie als Dank für die Gastfreundschaft ein Festessen veranstalten und lässt die Delikatessen aus Paris kommen.

Die Geschichte der Starköchin, die auszog und eine einfache Magd wurde, ist eine der „Schicksalsanekdoten“ von Blixen. Zeile für Zeile spürt man im mucksmäuschenstillen Theatersaal im Badischen Bahnhof die Empathie der Darstellerin für diese Frau, für ihre Liebe zum Kochen. Buss spielt die Babette anrührend und gestaltet die Inszenierung als ein besinnliches, ruhiges Drama. Die hauchzarte Geschichte wird still, poetisch und einfühlsam erzählt. So gelingt eine unaufdringliche Theater-Adaption dieses großartigen Stoffs, teils szenisch gelesen, teils gespielt in wechselnden Rollen. Mit wenigen Requisiten und wenigen Gesten macht Buss, die ihre eigene Regisseurin ist, die verschiedenen Figuren gegenwärtig: die sittsamen Schwestern, die sie aufgenommen haben, Babette in der Schürze, die Gäste des Diners.

Die Schauspielerin erspürt die besondere Atmosphäre in dem Haus, bringt die Schönheit der Sprache zum Tragen, schafft eine zerbrechliche Einheit von Wort und Szene und zieht die Besucher hinein in das geheimnisvolle Geschehen. Wer sich auf diese hochsensible Produktion einlässt, für den ist die Tafel gedeckt. Im Sinne eines Gesamtkunstwerks werden nach jeder Vorstellung kleine Häppchen nach dem Geheimrezept von Babette serviert.

Vorstellungen: am 29. April, 24. Mai und 2. Juni, jeweils um 20 Uhr.