Die andauernd tiefen Wasserstände und der immer deutlich zu wenige Regen bringen eine für die Rheinschifffahrt dramatische Entwicklung mit sich. Güter- und Personenverkehr sind weitgehend eingestellt, viele Firmen mussten Kurzarbeit beantragen oder stehen kurz davor. Die Branche fordert kurzfristige Hilfe, aber auch mittel- bis langfristige Maßnahmen, schreibt die Schweizerische Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft (SVS) in einer Pressemitteilung. Aktuell wird nur noch konventionelles Schüttgut (zum Beispiel Baustoffe) gefahren, aber mit sehr geringen Mengen, und auch die Tankschifffahrt fährt nur noch sehr eingeschränkt. Das Problem besteht laut SVS hauptsächlich auf der Strecke am Mittelrhein ab Köln bis zur Kanalstrecke bei Iffezheim.

Es handelt sich um ein außerordentliches Wetter-Phänomen. Ob ein Zusammenhang mit dem Klimawandel besteht, ist schwierig abzuschätzen. In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts gab es ebenfalls lange und intensive Niedrigwasser, schreibt die SVS. Mit derselben Problemlage kämpfen auch die Unternehmen der Flusskreuzfahrt – einem Bereich, in dem die Schweiz europaweit führend ist. Weil die Schiffe aktuell praktisch nur noch die Strecke zwischen Amsterdam und Köln befahren können, resultieren viele Annullationen oder Umstellung auf Alternativ(bus)reisen. Die betroffenen Unternehmen im Güter- wie Personentransport reagieren mit Abbau von Überzeit und Ferienguthaben, teilweise musste Kurzarbeit angemeldet werden. Dennoch ist der finanzielle Schaden bereits sehr groß. Sollte der Stillstand andauern, stellt dies für speziell betroffene Unternehmen (Reedereien, Umschlagsbetriebe) eine existenzielle Frage dar.

Dass im Bereich Diesel nun Pflichtlager in der Schweiz freigegeben werden mussten, zeigt die Bedeutung der Rheinschifffahrt für die Landesversorgung gerade in diesem Sektor, so die SVS. Als vor gut einem Jahr die Versorgung auf der Bahnstrecke wegen des Unterbruchs bei Rastatt mehrere Wochen unterbrochen war, konnte die Rheinschifffahrt einspringen und die Landesversorgung der Schweiz nahtlos sicherstellen. Jetzt wo die Schifffahrt Schwierigkeiten hat, können Schiene und Straße nur sehr bedingt aushelfen, da die Bahn-Kapazitäten eng begrenzt und die Transitstraßen von und in die Schweiz bereits überlastet sind. Sowohl die aktuelle Situation wie auch die „Rastatt“-Problematik 2017 zeigen die Bedeutung einer mehrgleisigen, redundanten Transportkette.

Mittel- bis langfristig müssen von allen Rheinanliegerstaaten unter Führung der Flusskommissionen (Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, Donaukommission und andere) Maßnahmen ergriffen werden, um die Schifffahrt auch in Zeiten mit niedrigem Wasserstand zu sichern.

Dazu gehören Austiefungen, wie sie aktuell im Rhein in Basel stattfinden, sowie Ausbau und Beseitigung von Hindernissen. Aber auch die Schweizer Behörden und die nationale Politik seien gefragt, werde der Rheinschifffahrt zu Recht doch eine große Bedeutung für die Landesversorgung zugemessen, stellt die SVS fest.