Kaserne Basel: Der Begriff ist hierzulande fast gleichbedeutend mit dem gleichnamigen Kulturbetrieb in Kleinbasel. Tatsächlich aber ist auf dem früheren Kasernenareal längst ein bunter Nutzermix heimisch. Mit dem nächsten Monat beginnenden Umbau des Kopfbaus und der Öffnung des Areals zum Rhein wird das Spektrum noch breiter, soll das Areal von 2021 an noch mehr zum stimulierenden Begegnungsort für Basel und sein Umland werden, betonten Katrin Grögel und Lukas Ott vom Basler Präsidialdepartment bei der Präsentation des neuen Nutzungs- und Betriebskonzeptes.

Lange Geschichte

Das hufeisenförmige Areal zwischen der Klybeckstraße und dem Rhein hat eine lange Geschichte und steht für wichtige Etappen der Basler Stadtentwicklung. In der frühen Neuzeit um 1300 war es Standort eines Frauenklosters. Von 1863 an wurde es dann mehr als 100 Jahre vom Militär genutzt; anschließend begannen von 1966 an die alternativen, kulturellen und soziokulturellen Nutzungen, die das Bild heute prägen. Immer aber hatte das Areal eine Scharnierfunktion zwischen der wachsenden Stadt und den angrenzenden Quartieren. Solche Dimensionen soll der lange umstrittene, in einer Volksabstimmung 2017 aber klar befürwortete rund 45 Millionen Franken teure Umbau unterstützen und weiter befördern.

Schmelztiegelcharakter

Schon heute ist die Kaserne einer der Orte in Basel, der den Schmelztiegelcharakter von Zuwanderung geprägter Großstädte selbstverständlich erscheinen lässt. Da kommen im Ramadan Muslime zum Beten in die Moschee, während das Publikum der Kulturveranstaltungen in der Reithalle nebenan Sekt trinkt. Da dienen die Rasenfläche und der Innenhof als Grünoasen zusammen mit diversen Gastrobetrieben als Treffpunkte der angrenzenden Viertel. Da haben Vereine wie der Box- oder Ruderclub Basel ein Domizil. Da finden Großveranstaltungen statt wie das Militärmusikfestival Basel Tattoo. All das stehe mit dem neuen Konzept aber nicht zur Disposition, versichern Grögel und Ott. Im Gegenteil. Ziel sei es, das Areal auf der Basis und ergänzt mit Nutzungen aus der Kreativwirtschaft und des Kulturbetriebs – wie Proberäume oder Wohnungen für Gastspielkünstler – zum „öffentlichen Forum für die ganze Stadt“ zu machen.

Zum Rhein hin geöffnet

Architektonisch stimulieren soll das nicht zuletzt der Umbau des Hauptbaus, der mit dem Auszug der Hochschule für Kunst und Gestaltung möglich wird. Dort entstehen nun neue Büros, aber auch ein multifunktionaler Veranstaltungssaal und Gastronomie. Unter dem Strich sollen etwa 20 Prozent der Fläche für Letztere, 60 Prozent für Kultur und Kreativwirtschaft sowie je zehn Prozent quartiersbezogen und öffentlich genutzt werden. Zudem wird das Ensemble an drei Stellen zum Rhein hin geöffnet: Zum einen mittels der „Plaza“, einer öffentlichen Zone, die ins Zentrum des Baus integriert wird, sowie mit einem großen Durchbruch auf der Seite der Klingentalkirche und einem kleineren auf der gegenüberliegenden. Parallel werden bis Mitte 2021 auch die angrenzenden Wege angepasst.

Zwar müssen die aktuellen Nutzer darüber kurzfristig mit Einschränkungen leben. Die Kaserne etwa verlagert ihre Verwaltung für zweieinhalb Jahre in Büros am Claragraben. Deren Veranstaltungsbetrieb oder auch der des Jungen Theaters aber werde in keiner Weise eingeschränkt, schildert Grögel. Langfristig ergebe sich mit dem Umbau in jedem für alle mehr Flexibilität und ein Klima, von dem alle profitierten – zumal das Areal durch das neue Konzept in einem Guss betrachtet werde und nicht mehr als „Stückwerk“, wie Ott es nennt.

Gelenkt wird das zwar von einer in der kantonalen Verwaltung angedockten Steuerungs- und Vergabekommission. Die beschränke sich aber auf grundlegende Weichenstellungen, versichert Grögel. Das Management der Immobilie als solche übernimmt die kantonale Immobilienabteilung. Das operative Geschäft aber sollen Mieter und Nutzer in einer Art Selbstverwaltung weitgehend eigenständig organisieren. Dafür gibt es als ausschließlich dienenden Service ein Arealmanagement, das vom nächsten Jahr an arbeiten soll, und einen Nutzerausschuss. All das erfordere zwar Zeit, räumt Grögel ein. Doch wer wie die Kreativ- und Kulturszene mitreden wolle, müsse bereit sein, Zeit zu investieren. Auch wirtschaftlich trägt sich das Vorhaben aus Sicht der Verwaltung im Übrigen und erreiche eine solide „schwarze Null“. Die überarbeitete Kalkulation zumindest weist unter dem Strich ein Plus von 80 000 Franken aus.