Ein Schminktisch mit Spiegel, schöne Kleider aus dem Theater-Fundus, eine rote Chaiselongue: Wir sind nicht in der Garderobe, sondern in der Monkey Bar, der kleinsten Spielstätte des Theaters Basel, wo die „Operettencouch“ wartet: ein neues Format, um die weithin verkannte und in Vergessenheit geratene Operette, die so selten auf dem Spielplan städtischer Theater steht, wieder bekannter zu machen. Und das in lockerer Bar-Atmosphäre.

Die erste Ausgabe galt Paul Abrahams Jazzoperette „Ball im Savoy“ mit den Ensemblemitgliedern Karl-Heinz Brandt und Anastasia Bickel, die jüngste Leon Jessels Heimatoperette „Schwarzwaldmädel“ über das arme Bärbele. Ausgewählt werden auch unbekanntere, aber niveauvolle Stücke wie „Die Herzogin von Chicago“ von Emmerich Kálmán oder Oscar Straus’ „Die lustigen Nibelungen“, eine bissig-satirische Parodie auf das Germanentum in der Offenbach-Nachfolge.

Idee, Konzept und Moderation stammen vom Operndramaturgen Pavel B. Jiracek, die musikalische Leitung am Klavier liegt bei Stephen Delaney, dem Leiter des Opernstudios Oper Avenir. Jiracek informiert eloquent über diese leichte, ja leichtsinnige Gattung, die so lustig, zeitgeistig und verquer sein kann, ihre Geschichte, Gesellschaftliches, die Kunst der Doppelbödigkeit und die Wiederbelebungsversuche.

Man erfährt zu monatlich wechselnden Themen einiges über die modernen Tanzrhythmen, die Urbanität, die Berliner Operette, Theateraufführungen in der Weimarer Zeit, den „Tanz auf dem Vulkan“, ganz nebenbei auch, warum die Operette kein Kind von Traurigkeit ist und für eine bunte Gesellschaft plädiert. Eine gute Stunde dauert dieser Operetten-Digest, mit Ausschnitten, gesungen und gespielt von Sängern des Theaters. Und der Operettenfan darf sich freuen über die Qualität dieses Genres, das geliebt, gehasst, instrumentalisiert, ideologisiert und immer wieder erneuert wird.

Überhaupt blickt in Basel die Operette auf eine lange Tradition zurück. Ab 1912 gab es im Küchlin Varietétheater und glanzvolle Revueoperetten. Maurice Chevalier und Joséphine Baker traten hier auf. Basel konkurrierte mit den Operettenzentren Paris, Wien, Budapest und Berlin. Eine Blütezeit erlebte die leichte Unterhaltung, die so schwer zu realisieren ist, ab den 1930er Jahren, weil viele Operettenschaffende in die Schweiz emigrierten. Große Regisseure wie Herbert Wernicke oder Christoph Marthaler beschäftigten sich in Basel auf ihre Art, subversiv und ironisch, mit diesem Musiktheater, das als gestrig und sogar als tot gilt, aber munter weiter lebt. Da kommt die Operettencouch gerade recht, die eine erfrischende Mischung zwischen amüsanten Meisterwerken, Heile-Welt- und großstädtischer Jazzoperette bietet.

Nächste Operettencouch: „Die jiddische Operette“, 26. Februar, 20 Uhr, Monkey Bar Basel, Klosterberg 6.