Man sollte mit Namen keine Wortspiele machen, sagte Alexander Kluge (86) leicht düpiert an die Adresse seines Gegenübers Georg Baselitz (80) beim Gipfeltreffen der zwei Geistes- und Künstlergrößen in der Riehener Fondation Beyeler. Baselitz hatte zuvor die Bemerkung gemacht, dass "der Kluge so klug, so neutral, so souverän, so über allem" wäre und er selber nicht. Der intellektuelle Filmemacher, Theoretiker und Schriftsteller konterte dies mit dem Wortspiel "Basel" im Namen Baselitz. Die beiden Künstlerfreunde redeten im Rahmen der Baselitz-Ausstellung über Heldentum und Mutterwitz. Witz hat Baselitz zu Genüge, und Heldenbilder aus den 1960er Jahren auch. Über Helden wurde lange diskutiert, mit literarischen Belegen von Grimmelshausen, Nietzsche, Wagner, Wolfram von Eschenbach, Gottfried Benn, bis zum Filmemacher Hans-Jürgen Syberberg.

Reflektiert wurde auch über große Maler wie Hokusai, der "weltberühmteste Künstler, den aber keiner kennt" (Baselitz), sowie über Geisterwelten, Märchen, Illustrationen. Es zeigte sich, dass Kluge sehr bewandert in Gesprächsführung und Baselitz tief in der Kunstgeschichte verwurzelt ist und beide geistig äußerst beweglich sind. Natürlich ging es auch um die neuen Bühnenbilder und Vorhänge von Baselitz zu Wagners "Parsifal" für die Bayerische Staatsoper, auf denen Bäume mit den Wurzeln zum Himmel weisen, also von oben genährt werden. Die Bäume stehen auf dem Kopf, weil die Bilder als Symbol, als religiöses Objekt funktionieren sollen, und nicht als Natur. Die Blumenmädchen tauchen nicht auf, "ich hoffe, es gibt Protest dagegen", meinte der Maler lakonisch.

Die beiden klugen Köpfe saßen auf dem Podium im Souterrain-Saal vor Baselitz' 20-teiliger Werkserie mit dem programmatischen Titel "'45", einem großflächigen Fries, der Bezug nimmt zum Ende des Zweiten Weltkriegs und zu seinen Hauptwerken zählt. Sie sprangen von einem Thema zum anderen, von einem Genre zum nächsten, von Filmkunst zur Malerei, wobei Baselitz zu vielen Einlassungen von Kluge immer witzige Geschichten einfielen. Man erlebte eine starke Stimme: den Literaten, und starke Bilder: den Maler. Baselitz, der auch in Basel lebt und arbeitet, sagt am Schluss freudig: "In Basel gibt es Zustimmung zu meiner Arbeit, die ich nie erlebt habe". Nach dem einstündigen Schlagabtausch geben sich die beiden alten Herren heldenmütig die Hand.