Wie lässt sich Shakespeare tanzen? Dem Basler Ballettchef Richard Wherlock gelingt es, indem er seine Ballettadaption der „Komödie der Irrungen“ einer zeitgenössischen Umschreibung unterzieht. Seine Neuinterpretation führt im Theater Basel mitten in Migrantenschicksale.

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In Ephesus landen illegale Flüchtlinge mit roten Schwimmwesten. Das ist aber nicht der einzige Handlungsstrang dieses typischen Erzählballetts des 60-jährigen Briten. Die Welt der Reichen und Schönen prallt auf die Schiffbrüchigen und Dritte-Welt-Menschen. Es ist aber auch eine vertanzte Verwechslungskomödie, bei der zwei große blonde und zwei kleine rothaarige Zwillingsbrüder aufeinander stoßen und für Verwirrung sorgen. Die Bürger von Ephesus gehen hektisch ihrem Alltag nach, was das gut trainierte Basler Ballett zu sportiven und dynamischen Laufszenen animiert.

Verschiedene Gesellschaftsschichten

Die modischen Kostüme der Modeschöpferin Catherine Brickhill sind auf die verschiedenen Gesellschaftsschichten zugeschnitten: hier die Boatpeople in Lumpen, dort die Schicken und Exzentrischen im Fantasy-Glamour-Look. Auch das Lichtkonzept des Israelis Yaron Abulafia beleuchtet die krassen Gegensätze, die Bühnenbildner Bruce French mit einem griechischen Amphitheater, Käfigen und Gitterzäunen aufgebaut hat.

Bildhaft und metaphernreich

Die Choreografie nähert sich der heutigen sozialen Lebenswirklichkeit an. Die Blicke zieht vor allem Erotia auf sich, eine dominahaft gekleidete Kurtisane (Lydia Caruso), die sich mit Antipholus von Ephesus (Jorge Garcia Pérez) im Rotlichtmilieu vergnügt. Dass in Ephesus der Wohlstand herrscht, macht Frank Fannar Pedersen als exaltierter Modedesigner deutlich, der mit Goldstaub nur so um sich wirft.

Gewöhnungsbedürftig

Es ist eine bildhafte, metaphernreiche, verschlüsselte wie erzählfreudige Choreografie, die letzte Ballettproduktion Wherlocks in dieser Saison, und es ist vermutlich das erste Mal, dass dieses frühe und unbekanntere Shakespeare-Stück als Ballett auf die Bühne gebracht wird. Die Musik der britischen Popkomponisten Antony Genn und Martin Slattery, die von Punkrock beeinflusst sind, ist rockige Minimal Music. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings, dass das Basler Sinfonieorchester elektronisch verstärkt wird.

Weitere Aufführungen sind am 14., 16., 18. und 22. Juni am Theater Basel.