Die Geschäfte bei Roche laufen besser als erwartet. Der Basler Pharmakonzern verzeichnete im ersten Halbjahr im Vergleich zu 2017 ein Umsatzwachstum von sieben Prozent. Der Kerngewinn stieg gar um 19 Prozent. Firmenchef Severin Schwan sprach vor Medien am Donnerstag in Basel denn auch von einem „sehr starken Ergebnis“ und verkündete noch oben angepasste Ziele. Nun erwartet der Konzern, der 2017 rund 53,3 Milliarden Franken umsetzte, für 2018 und über beide Sparten (Pharma und Diagnostiks) ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich.

Erfolgreiche Medikamente

Wachstumstreiber sind vor allem neue biotechnologische Medikamente wie Ocrevus. Das Mittel gegen Multiple Sklerose (MS) erreichte bereits in den ersten sechs Monaten einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Franken und liegt schon in der Blockbuster-Kategorie. Damit sei das MS-Mittel das bisher erfolgreichste neue Produkt bei Roche überhaupt, betonte Schwan. Aber auch bei Krebsmedikamenten und nicht zuletzt den Krebsimmuntherapien verbucht der Konzern Erfolge durch neue Medikamente wie das Lungenkrebsmittel Tecentriq oder Kombinationstherapien. Diese verbinden ältere Arzneien, deren Patentschutz abgelaufen ist, wie den Roche-Besteller, das Brustkrebsmittel Hercpetin, mit jüngeren Produkten und schaffen darüber zusätzliche therapeutische Effekte, gewissermaßen also ein Medikamenten-Tuning.

Tatsächlich erlebe der Konzern so derzeit eine Bewegung in zwei Richtungen. Einerseits verlieren ältere biotechnologische Präparate wie Herceptin zunehmend den Patentschutz und werden durch Nachahmerprodukte, sogenannte Biosimilars, ersetzt, schildern Schwan und Pharmachef Daniel O’Day. Da sei auch die weitere Entwicklung relativ klar vorherzusagen. Bislang jedenfalls verlaufe die Marktentwicklung der Biosimilars wie erwartet, betonte O’Day. Andererseits gelinge es Roche dank der neuen Medikamente bislang aber besser als gedacht, diese Einbußen zu kompensieren. „Dass es so gut läuft, kommt unerwartet“, betonte Schwan denn auch. Zwar zwinge die Entwicklung und der darüber entstehende Innovationsdruck den Konzern, „jedes Quartal zu liefern.“ Die Chancen dazu seien aber bestens. Schließlich habe Roche 16 Medikament in der späten Entwicklung. Das sei ein „Rekordniveau“, komme angesichts anstehender Patentverluste aber gerade zur rechten Zeit. Diese innovative Medizin und die damit zunehmend verzahnte Diagnostik-Sparte seien nach wie vor der Schwerpunkt von Roche, bekräftigte Schwan auf Nachfrage auch die Strategie der vergangenen Dekaden.

Projekte

Andererseits will der Konzern das verbliebene Portfolio klassischer Antiinfektiva – von Grippemitteln wie Tamiflu bis zu Antibiotika wie Rocephin – weiter pflegen. Gesundheitspolitik und Krankenkassen hätten das Antibiotikageschäft wirtschaftlich zwar uninteressant gemacht. Angesichts wachsender Probleme mit Resistenzen deute sich hier indes ein Perspektivwechsel an. „Der Wert von Antibiotika wird wieder anders gesehen“, sagt Schwan. Roche jedenfalls habe in dem Bereich noch einige Projekte in der Pipeline und verfolge diese weiter. Ein Verkauf oder eine Auslagerung der Antibiotika-Aktivitäten, wie sie dieser Tage der Basler Wettbewerber Novartis angekündigt hat, stehe für Roche jedenfalls nicht auf der Agenda.