Der Euroairport Basel-Mulhouse (EAP) will leiser werden. Besondere für die sensible Zeit zwischen 23 und 24 Uhr strebt der EAP bis Ende 2019 eine Halbierung der Starts in die Hauptflugrichtung Süden an. Gleichzeitig sollen die Flugbewegungen in dieser Zeit trotz angestrebtem weiteren Wachstum bei Passagierzahlen und Fracht zumindest konstant bleiben.

Langfristig will der EAP zudem mit den schweizerischen und französischen Luftfahrtbehörden eine verbindliche „begrenzende Lärmkurve“ erarbeiten und besonders laute Maschinen in Randzeiten verbieten.

13 Millionen Passagiere bis 2030

Ohne solche lärmbegrenzenden Maßnahmen sei an einen weiteren Ausbau der Kapazitäten auf bis zu 13 Millionen Passagiere bis 2030 nicht zu denken, sagte EAP-Direktor Matthias Suhr bei einer Pressekonferenz: „Das wäre politisch nicht durchsetzbar.“ Eine Ausdehnung der Nachtflugsperre auf die Zeit zwischen 23 und 6 Uhr morgens (von heute 24 bis 5 Uhr) lehnt er aber weiterhin ab, das sei mit dem Geschäftsmodell nicht zu vereinbaren.

„Wenn wir den Flughafen ab 23 Uhr schließen, würden wir uns aus der Expressfracht zurückziehen“, so Suhr. Dasselbe gälte für die Basler Easy Jet-Basis. 40 Prozent der Ankünfte seien nicht auf Landungen nach 23 Uhr programmiert, sondern verspätet.

2017 minimaler Lärmanstieg

Suhr betonte indes, dass die Lärmbelastung für die Anwohner zumal im Süden des Airports und im ebenfalls stark betroffenen Allschwil (Baselland) zwischen 23 und 24 Uhr tatsächlich massiv zugenommen, ja sich seit 2014 verdoppelt habe. Eine Trendumkehr wurde allerdings 2017 erkennbar, als der Anstieg gegenüber dem Vorjahr nur noch minimal war.

Zwar verfolge man seit 30 Jahren eine aktive Lärmschutzpolitik, habe etwa extrem laute Flugzeuge zwischen 22 und 6 Uhr schon 2014 verboten und zuletzt Zuschlagerhöhungen für Starts und Landungen zwischen 22 und 23 Uhr angesetzt. Seit April 2018 wird das auch noch einmal deutlich verschärft. So erhebt der EAP in dieser Zeit etwa für Großraumflugzeuge mit mehr als 200 Tonnen einen Zuschlag von spürbaren 75 Prozent. Weitere Maßnahmen sind geplant.

Keine Expressfrachtflüge am Wochenende

Dazu gehören auch Flugplanänderungen, die bereits für den Sommer greifen und einzelne Flüge vorverlegen. 2018 wurde nach EAP-Angaben auf diese Weise bereits eine Reduktion um 13 Prozent zwischen 23 und 24 Uhr erreicht. Weiterhin solle es am Wochenende keine Expressfrachtflüge mehr zwischen 22 und 6 Uhr geben.

Ein Expressfrachtflugzeug am Samstag wurde zudem neu von bisher 23.10 Uhr auf einen Abflug um 20.40 Uhr programmiert. Insgesamt macht die Expressfracht heute mit 49 Prozent den größten Teil der Flugbewegungen zwischen 23 und 24 Uhr aus. Auch in den frühen Morgenstunden starten Expressfrachtmaschinen bereits zwischen 5 und 6 Uhr, während Passagierflüge erst ab 7 Uhr abheben.

In der letzten erlaubten Nachtstunde entfallen 43 Prozent des Verkehrsaufkommens auf Passagierflugzeuge, von denen ein Großteil eigentlich vor 23 Uhr geplant war. An diesem Punkt gibt es also außer einem Pünktlichkeitsbonus, der ebenfalls eingeführt wird, kaum Stellschrauben. Gleichzeitig setzt der EAP aber auf leisere Flugzeuge, wie die neuen Airbusse A 320neo und A 321neo, die laut Hersteller um 56 Prozent leiser sein sollen als die Vorgänger.

Keine Änderungen bei Flugrouten über das Markgräflerland

Sie sollen mit Boni belohnt werden. Keine Änderungen sind dagegen bei den etwa auch das Markgräflerland überquerenden Flugrouten vorgesehen. Die Airlines sind indes gehalten, die vorgegebenen Startverfahren genau zu berücksichtigen. Mittelfristig erhöht werden soll auch der Dezibel-Lärmgrenzwert von zehn EPNdB (Effective perceived noise in decibels) auf 13 EPNdB.

Durchweg positiv äußerte sich das Basler Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt in einer gemeinsamen Mitteilung mit der baselstädtischen Gesundheitsdirektion zum Aktionsplan. Damit werde ein wichtiger Schritt getan, um die Entwicklung des Flughafens „im Gleichgewicht mit dem notwendigen Schutz der Bevölkerung in der Nachbarschaft“ gestalten zu können.

Die Lärmzunahme der vergangenen Jahre sei von den Anwohnern als spürbare Beeinträchtigung wahrgenommen worden, der EAP sei nicht zuletzt für die Wirtschaft der Region jedoch unverzichtbar. Also umso wichtiger sieht man es beim Kanton an, der Akzeptanz der Flughafenanrainer Rechnung zu tragen.