In seinem neuen Roman „In einer unmöblierten Nacht“ erzählt der in Pratteln lebende Autor Markus Ramseier von einem ungleichen Paar: Die junge ukrainische Übersetzerin Yana lernt im Moskauer Puschkin-Museum den fanatischen Schweizer Kunstsammler und Unternehmer Victor Muff, 40, kennen, ein Macher und Mäzen, von Beruf Geschäftsmann, reich, hyperaktiv, weltgewandt. Yana, eine kleine Dolmetscherin mit blauen Augen, arm, hübsch, gefühlsbetont, gehemmt, die Victors Charme erliegt. Yana fremdelt in der Schweiz, wo sie der Liebe wegen hinzieht. Sie liebt Schokolade, ein süßer Trost, und sie sehnt sich nach Liebe.

Es ist die Geschichte einer mutigen jungen Frau, und Ramseier erzählt sie aus ihrer Perspektive. Eine Geschichte von Fremdheit, Enttäuschung und Hoffnung. Yana ist integrationswillig, aber je weiter der Roman fortschreitet, desto weniger klappt es mit dem Familienglück. Bei der Buchpräsentation in der Riehener Literaturinitiative Arena scheint es, als würde sich Ramseier mit seiner Heldin solidarisieren. Diese wird nicht glücklich in der Villa, einem „vermöbelten Haus“, das für Yana zum Albtraum wird. Ramseier zeigt sprachlich äußerst fein und stringent in der Handlung, dass Yana innere Kräfte entwickelt, vor allem, als sie den Förster Gian kennenlernt. Da wird sie zum Objekt der Begierde von beiden Seiten. Die Männer: Victor, ein Muss-Mensch, Gian ein Darf-Mensch.

Tut sich da ein Idyll auf, eine simple Liebesgeschichte? Ramseier lässt sich viel Zeit für dieses Idyll. Die beiden heiraten, Yana macht das Spiel lange mit, doch dann kommt die Szene „Ladies Dinner“, der Rotarier-Apéro, und man spürt den Widerstand dieser Frau, die wegen ihres Lächelns als geheimnisvoll und unfassbar gilt. Erste Risse tun sich auf. Für Ramseier ist dieser Victor ein Hochstapler, eine komplexe Figur.

Bei der Liebesgeschichte im Osten geht es auch um Auswanderung und Rückwanderung. Gegen Ende wird der Held immer dunkler, rabenschwarz gezeichnet und Yana erscheint als Lichtfigur. Ein Streit wird zum Tiefpunkt ihrer Beziehung. Hier kommt der Roman an die Stelle, wo sich der ungewöhnliche Titel erklärt: Der Satz von der „unmöblierten Nacht“ wird zum Wendepunkt in der Geschichte, die wieder einmal zeigt, wie großartig dieser Schweizer Schriftsteller schreibt und welche interessanten Ideen und gesellschaftlich relevanten Themen er in seinen Romanen verarbeitet. (js)