Welch schöner Zufall: Da dirigiert der berühmte Schweizer Oboist, Komponist und Dirigent Heinz Holliger zum Abschluss des Solsberg-Festivals in der Stadtkirche Rheinfelden das Kammerorchester Basel in den Schubert-Sinfonien Nr. 1 und 5. Am selben Tag spielen beim letzten Schubertiade-Konzert der Saison in der Dorfkirche Riehen Manrico Padovani (Geige) und Joseph-Maurice Weder (Klavier) Kammermusik für diese Besetzung von Franz Schubert und – überraschend – drei Klavierstücke von Holliger.

Zeitgenössischer Beitrag aus den 60er Jahren

In jedem Schubertiade-Konzert wird auch ein modernes Stück aufgeführt, das gehört zum Profil dieser „Connaissez-vous“-Reihe. Dieses Mal wurde als zeitgenössischer Beitrag ein frühes Werk von Holliger aus den 1960er Jahren aufgeführt: „Elis“, drei Nachtstücke für Klavier nach Texten des Expressionisten Georg Trakl, die um Trakls Elis-Gestalt kreisen.

Diese Stücke sind die einzige rein instrumentale Annäherung Holligers an den österreichischen Dichters. Eine Musik, die noch immer auf Anhieb fesselt, unmittelbar wirkt und von Weder maßstäblich interpretiert und beispielhaft intensiv nachempfunden wurde. Man konnte sich die Inspirationsquelle Holligers dazu denken oder auf der Rückseite des Programmzettels die dichterischen Zeilen lesen, etwa vom ersten Stück: „Wenn die Amsel im schwarzen Wald ruft,/ Dieses ist dein Untergang“. Bei diesen Klanggestalten war eindrücklich zu hören, dass ein hauptberuflicher Oboist fundamentale Klavierstücke unserer Zeit schreibt.

Schubert in Richtung Paganinische Virtuosität

Hochvirtuos war das Spiel des Tessiner Geigers Manrico Padovani, der Schubert in Richtung Paganinische Virtuosität trimmte. Man könnte sich ja durch einen Auftritt des „Teufelsgeigers“ Niccolo Paganini 1826 in Wien einen Einfluss auf Schubert denken. Jedenfalls ist das Rondo brillant in h-Moll ein für die Zeit ungewöhnlich hochvirtuoses Werk und könnte durchaus von Paganini beeinflusst sein. Und das spielte Padovani voll aus. Wenn man auch zu seiner Sicht sagen muss: Schubert ist nicht Paganini! Schlüssige Darstellungen gelangen den beiden Interpreten in Schuberts A-Dur-Violinsonate und der schon „himmlische Längen“ aufweisenden Fantasie in C-Dur, die allerdings in ihrer Wiedergabe nie langatmig wirkte. Das hing zum einen an dem souveränen Anschlag des Basler Pianisten, zum anderen an der draufgängerischen Vitalität des Geigers. Man könnte sich zwar einer anderen Weise, mit mehr lyrischer Intensität in Schubert hineinhören – aber diese virtuose Art war von einer Direktheit, die auf den Zuhörer übersprang.