„Ich kann besser schreiben als sein“, sagt der Stotterer in Charles Lewinskys gleichnamigem neuem Roman. Es ist das Buch der Stunde, denn es geht darin um die Macht des Wortes, um erfundene Geschichten. Das kennt man seit den Fake News eines Donald Trump, den gefälschten Reportagen eines „Spiegel“-Reporters oder den falschen Zitaten in Robert Menasses „Hauptstadt“-Roman. In einem Interview sagte Lewinsky, Schriftsteller seien gesellschaftlich akzeptierte Lügner.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch von seiner Hauptfigur weiß man nie so recht, was wahr ist und was nicht. Der Stotterer stellt Wahrheit einfach her, wie er sie eben braucht. Es sind manipulierte Erzählungen, wie bei der Lesung des Zürcher Autors in der Arena-Literaturinitiative in Riehen in mehreren Passagen zu hören war. Der Antiheld Hosea Stärkle, der wegen Betrugs im Gefängnis landet, schlägt sich mit erfundenen Geschichten durch und macht hinter Gittern eine atemberaubende Karriere als Bestsellerautor.

Das könnte Sie auch interessieren

Er wollte ein Buch über einen Menschen schreiben, der sich schriftlich ausdrücken muss, sagte Lewinsky. Es sei also weniger ein Buch über einen Stotterer als über die Macht des Schreibens und der Sprache. Lewinskys Stotterer ist bibelfest und kennt sich beim Philosophen Arthur Schopenhauer aus. Und er beeinflusst den Gefängnispfarrer, einen Drogenboss und den Verleger mit Briefen, Bekenntnissen und fiktiven Stories.

Züchtigung und sektenartige Gemeinde

Der Erzähler kommt nicht sehr sympathisch rüber, aber er kann den Umgangston wechseln. Wenn er von seiner Schwester erzählt, die sich nach ihrer unglücklichen Heirat vor die Straßenbahn wirft, ist der Ton ein völlig anderer. In seinen Lese-Auszügen springt Lewinsky vom Anfang, bei dem der Zuhörer gleich einen Einstieg in die Geschichte kriegt, ins Schlusskapitel. So erfährt man auch etwas über die Züchtigung durch den Vater, die sektenartige „Gemeinde“, aber der Zuhörer weiß nicht, ob es stimmt oder nicht. „Auch der Autor weiß es nicht so genau“, meinte Lewinsky lakonisch.

Er hat im Umfeld der Strafanstalt und zum Thema Bibel im Alten Testament gründlich recherchiert, wie er auf Nachfrage des Moderators Valentin Herzog kurz und knapp mitteilt. Elke Heidenreich lobt das teils ironisch und sarkastisch geschriebene Buch, eine Mischung aus modernem Schelmenroman, Familiensaga und Abenteuerroman, es sei „sehr lässig und gekonnt erzählt und enorm unterhaltend bis zur letzten Seite.“