Die Kaiserhymne "Heil dir im Siegerkranz" ertönt, während die Bühne eine Fotografie aus der wilhelminischen Kaiserzeit beherrscht. Da poltert Theobald Maske ins Haus und es folgt sein erster Wutausbruch. Ist doch der Gemahlin Luise partout bei einer kaiserlichen Parade aus Versehen ihre Damenunterhose gerutscht! Fast ein politischer Eklat.

Geschwollene und schnoddrige Sprache

Die banale Szene ist der Zündstoff für Carl Sternheims seinerzeit viel belachtes, aber heute nur noch selten gespieltes bürgerliches Lustspiel "Die Hose" im Förnbacher Theater Basel. Sternheim hat die bourgeoise Gesellschaft satirisch seziert. Die Gestalten reden sehr geschwollen daher, in einer verkrampften, abgehackten, schnoddrigen Sprache, wie schnarrendes Offiziersdeutsch.

Zwischentöne und Bilder

Regisseurin Verena Buss lässt die depeschenartige Sprache expressionistisch stehen. Bei Buss muss man immer auf die Zwischentöne und die Bilder achten, etwa auf die am Boden liegende Leiter, über die alle Darsteller balancieren müssen, und die als Sinnbild für Treppe dient. Buss arbeitet mit Projektionen, während sie den Raum nur mit Tisch, Stuhl und Bett ausstaffiert. Das stereotypische gesellschaftliche Verhalten der Figuren analysiert Buss kalt, erbarmungs- und schonungslos. Wobei man sicher fragen darf, ob uns diese Typen heute noch etwas angehen.

Doppelmoral wird drastisch entlarvt

Verena Buss treibt das Demaskierungsverfahren so weit, dass die Doppelmoral drastisch entlarvt wird. So "modern" inszeniert, ist dieses Stück heute wieder bühnenwirksam. Man bekommt also in der Theaterhalle im Badischen Bahnhof keinen Schwank zum Schenkelklopfen serviert, sondern ein vielschichtiges Schauspiel, ebenso schneidig im Spiel wie in der unbarmherzigen Sprache.

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Matthias Klausener tritt als Theobald Maske weniger gewalttätig als rechthaberisch, militärisch zackig (mit dem Soldatenlied "Ich hatt' einen Kameraden") und unüberhörbar antisemitisch auf. Ein Egoist, ein Unsympath, ja, ein Ekel, frauenverachtend, geld- und geltungssüchtig. Die häusliche Gewalt wird aber nicht explizit thematisiert.

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Die Luise von Kristina Malyseva ist eine Verträumte, es scheint alles an ihr abzuprallen.Vielleicht ist sie nach dem ersten Ehejahr schon desillusioniert. Da kommt ihr der virile Dichter Scarron (ein affektierter Geck: Lothar Hohmann) gerade recht, während sie den kränkelnden Barbier Mandelstam (leidend gemimt, mit dem Kopf unter der Bettdecke: Fabian Horn) abweist. Mit den beiden komischen Nebenbuhlern, die sich unter windigem Vorwand einschleichen, hat der Kraftmeier Maske, der sich derweil mit der neugierigen Nachbarin (Kristina Nel) vergnügt, leichtes Spiel.

Das ist alles nicht bloß lustig inszeniert, sondern wirklich als böse Satire. Der Zuschauer verlässt die Vorstellung und merkt, dass ihm das Lachen meist im Hals stecken geblieben ist.

Weitere Aufführungen: 22., 29. November, 7. und 20. Dezember, 20 Uhr. Vorverkauf unter der Telefonnummer 004161/361 90 33