Er hat sie in der Bar kennengelernt. Sie ist um einiges jünger als er. Dass er verheiratet ist, sagt er ihr aber erst in seinem Appartement. Der gut situierte Mittfünfziger und kurzzeitige Strohwitwer hofft auf ein schnelles amouröses Abenteuer. Doch wie es bei solchen Erfolgskomödien sein muss, ist am Ende nichts so, wie es am Anfang scheint. Das gern aufgeführte Zwei-Personen-Stück „Achterbahn“ von Eric Assous ist eine geniale Komödie ganz im Geiste der Boulevardgrößen Yasmina Reza und Eric-Emmanuel Schmitt und ähnelt psychologischen Zwei-Personen-Duellen wie Schmitts „Kleine Eheverbrechen“, die unter die Haut gehen. Die intelligent gestrickte Komödie hat alles, was dieses französische Genre so wunderbar und einzigartig macht: die Charaktere, die Handlung, den Wortwitz.

Das Kammertheater Riehen (ehemals Ateliertheater), wird vom Regisseur der Burgfestspiele Rötteln, Simon Rösch, und der Schweizer Schauspielerin Isolde Polzin neu geführt und wartete zum Saisonauftakt noch mit einer boulevardeskeren Eigenproduktion auf. Dort wird die „Achterbahn“ von zwei Schauspielern gespielt, die dieses faszinierende Vexierspiel auch verstehen. In der Regie von Sophie Stierle liefern sich Nadine Landert, die Juliette, eine undurchschaubare junge Frau, die sich als Prostituierte vorstellt, aber sicher keine ist, und Carlo Ghirardelli, der Pierre, Familienvater auf Abwegen, einen eleganten Schlagabtausch. Immer wieder kippen die Situationen, wird das Vorangegangene auf den Kopf gestellt, der Zuschauer mit überraschenden Wendungen in Atem gehalten, bevor es am Schluss zu einem überraschenden Coup kommt.

Die beiden Darsteller treiben die Situationen zwar nicht radikal auf die Spitze, sondern bleiben charmant und dezent, machen aber deutlich, dass diese Metamorphosen ein Spiel auf hohem Risiko sind. Die Chemie zwischen ihnen stimmt. Zwischen Landert, die ihre Schauspielausbildung in Zürich gemacht hat und in Kleintheatern unterwegs ist, und ihrem erfahrenen älteren Bühnenpartner Ghirardelli, der an großen Häusern gastierte, allein 31 Jahre in Kassel am Staatstheater engagiert war und Schauspieldozent ist. Das Auf und Ab der Gefühle und die nachdenklichen Zwischentöne kommen bei den Beiden gut herüber, sie flirten reizend, unterhalten gekonnt und sind auf Anhieb sympathisch. (js)

Die Aufführungen sind am Freitag und Samstag, 6. und 7. April, 20 Uhr.