Eine Stadt besuchen, ohne hinzufahren, das geht dank Google Street View schon lange. Mit dem neuen Basler Online-Stadtplan MapBS inklusive 3D-Viewer und sogenannten Schrägluftbildern mit veränderbarer Perspektive werden die Möglichkeiten indes grenzenlos. Wo lässt sich wann genau im Schatten parken, wo herrscht im Basler Stadtgebiet kein Leinenzwang für Hunde und sind das nun wirklich Platanen am linken Rheinufer? Auch nach besonders lärmgeplagten Stadtquartieren lässt sich suchen oder noch viel profaner nach der nächsten öffentlichen Toilette.

„Wir sind nicht superneu“, betonte Simon Rolli, Leiter des Grundbuch- und Vermessungsamts (GVA) Basel-Stadt, bei der Medienorientierung zu den jüngsten Weiterentwicklungen des städtischen Geoportals. Seit Anfang Juni ist der Stadtplan in seiner heutigen Form schon online frei für die Öffentlichkeit verfügbar. Einzelne Funktionen wie etwa die wirklich beeindruckende 3D-Ansicht mit nach Jahres- und Tageszeit einstellbarem Schattenwurf, die sich auch als Original-Luftbild darstellen lässt, werden aber kontinuierlich weiterentwickelt. Die Generation der Digital Natives dürfte sich auch ohne weitere Einarbeitung im Portal zurechtfinden. Aber auch für alle anderen erklärt sich vieles von selbst. Die Karten lassen sich mittels einer Werkzeugpalette am rechten Rand bearbeiten, ausschneiden, bemalen, beschriften und selbstverständlich teilen und versenden.

Gestartet wurde das Portal schon in digitaler Vorzeit, 1999. „Da mussten wir den Nutzern noch erklären, was eine Maus ist“, erinnert sich Rolli. Mit heute rund zwölf Millionen Anfragen pro Jahr, von denen etwa je die Hälfte aus der Verwaltung und aus der Öffentlichkeit kommt, ging es für das beständig weiterentwickelte Portal jedoch sowohl qualitativ als auch quantitativ seither nach oben. Selbstverständlich gibt es das Ganze auch als App für Apple und Android.

Zusammen mit der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW wird noch an Zusatzfunktionen gearbeitet, über die Ausschnitte des 3D-Modells beispielsweise auch auf den Tisch projiziert werden können. Von solchen Ausnahmen vielleicht abgesehen, ist das Portal für die Verantwortlichen aber alles andere als nur Spielerei. Im Rahmen von Bauvorhaben und Planungen lassen sich hier beispielsweise Leitungen sichtbar machen, die unterirdisch verlaufen oder es ist abrufbar, wann beispielsweise welche Baumpflanzung wo erfolgte. Was einst vor allem für die Behörden geschaffen wurde – noch heute gibt es einzelne Bereiche, die nicht für jedermann frei zugänglich sind – gibt es derzeit aufgeteilt auf 26 Themenbereiche von „Amtliche Vermessung“ bis „Wald, Flora und Fauna“ in 140 Karten und auf 1430 Ebenen. „Für uns ist das Ganze auch ein wichtiges Kommunikationsinstrument“, erklärt der verantwortliche Abteilungsleiter Geoinformation beim GAV, Adrian Moser.

Noch in Entwicklung ist etwa eine Funktion, mit der sich auch erst geplante Bauten in die originalen Pläne mit einbeziehen lassen. So lasse sich etwa vor Abstimmungen greifbarer vermitteln, worüber überhaupt entschieden werden soll. Dabei gilt es für die Verantwortlichen immer darauf bedacht zu sein, nicht allzu schnell von der gebauten Realität überholt zu werden. Alles wird periodisch aktualisiert. Die aktuell genutzten Luftbilder sind etwa ein Jahr alt.

Anhand von historischem Kartenmaterial lässt sich dafür aber auch gleichsam zurückblättern, sodass etwa erkennbar wird, wie die Stadt um das Jahr 1870 aussah. Während es bereits Kooperationen mit den Kantonen Baselland, Neuenburg, Schwyz und weiteren Schweizer Städten gibt, endet das Basler Geoportal heute noch an den Landesgrenzen. „Wir haben aber schon eine Absichtserklärung, in Zukunft mehr grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu schaffen“, sagt Simon Rolli.

Die Stadt Lörrach habe bereits Interesse angemeldet, allerdings bewege man sich da bisher noch auf der informativen Ebene. „Das Ziel ist natürlich, die ganze Metropolregion zusammenzuschalten“, sagt der Basler Amtsleiter, auch wenn er die Basler Verantwortung nicht unbedingt über den eigenen Perimeter ausgedehnt sehen möchte. Möglicherweise werde es jenseits der Grenzen auch andere Schwerpunkte geben, vielleicht aber auch eine andere Qualität. Also, wer weiß es, dann möglicherweise doch keinen Schattenwurf in Lörrach.

Zu finden sind das Geoportal im Internet: www.geo.bs.ch, der 3D-Viewer unter: www.geo.bs.ch/3D und der Stadtplan MapBS unter http://map.geo.bs.ch