Trotz des Temperatursturzes und leichter Regenfälle am Samstagabend lockte die elfte Ausgabe des Jugendkulturfestivals laut der Organisatoren 50 000 Menschen in die Basler Innenstadt. Rund um den Barfüsserplatz verwandelte sich Basel am Wochenende in ein weitläufiges Festivalgelände. 1600 Künstlerinnen und Künstler boten in 215 Programmpunkten ein buntes Spektakel und zeigten, dass Jugendkultur heutzutage vor allem durch Vielfalt besticht. Das Fest verlief friedlich und so sprachen die Veranstalter von einer äußerst erfolgreichen Ausgabe.

Samstag gegen 18 Uhr auf dem Münsterplatz. Aus einem Zelt pumpt der Bass, Menschen klatschen im Takt. Von drei Seiten blickt das Publikum auf den prall gefüllten Tribünen in die Mitte des Zelts. Gerade finden hier in der Movement-Arena die Breakdance-Battles statt. In Zweierteams treten die Tänzerinnen und Tänzer gegeneinander an, dabei kommt es vor allem auf Improvisationsgeschick an. Denn wenn der Beat aus den Boxen ertönt, geht es los mit dem Battle.

Nach kurzen, typischen Schrittkombinationen wirbelt sich der Tänzer auf seinen Armen um die eigene Achse, das Publikum nickt zum Takt. Passend zur Musik endet der Wirbel in einem „Freeze“, einer Art Schockstarre, bei der die Position gehalten wird. Das Publikum applaudiert. In der Folge versucht das andere Team, die internationale Jury, die über den Ausgang der Battles entscheidet, mit noch besseren Tanzeinlagen zu übertreffen. Anschließend geben sich die Rivalen die Hand und das nächste Duell steht bevor. Am Ende des Abends gibt es einen Gewinner, anmelden konnte sich jeder.

Keine 50 Meter weiter probieren sich Besucherinnen und Besucher auf den zwischen Bäumen gespannten Slacklines aus – ein echter Drahtseilakt. Der lokale Slackline Verein hat hier ebenso seinen Stand wie Trendsport Basel, die einen Pumptrack aufgebaut haben, auf dem Kinder mit City-Rollern entlang flitzen. Jugendkultur, das wurde auf dem JKF deutlich, ist vielfältig und partizipativ. Das bestätigt auch Carola Ackermann, Geschäftsführerin des Trägervereins „Verein Neues JKF“.

Das Ziel des Festivals sei es, mit den Veränderungen mitzugehen und umzusetzen, was die Organisatoren an Bewerbungen erreicht. Dabei habe man keinen programmatischen Fokus. So gesehen kann das JKF als Werkschau der hiesigen Jugend betrachtet werden, in all ihren Facetten. Dazu gehört Musik, Tanz und Sport ebenso wie Theater und Literatur. Im Gässli Filmhaus konnte mit einer Virtual Reality-Brille in den Schweizer Bergen Schlitten gefahren werden.

Eine weitere Facette scheint seit spätestens dem vergangenen Jahr und den startenden Fridays for Future-Protesten auch umweltschonendes Handeln zu sein. Zudem hat Basel als erste Schweizer Stadt im Februar den Klimanotstand ausgerufen. Und so präsentierte sich auch das JKF äußerst abfallarm. Dafür sorgten auch die sogenannten Trash-Heroes, die in gelben Westen über das Gelände liefen und für saubere Plätze sorgten. Wer in einem der anliegenden Coop-Supermärkte Getränke kaufte, musste zwei Franken Pfand bezahlen und erhielt Getränkemarken, die anschließend an Depotstationen zurückgegeben werden konnten. An den Essens- und Getränkeständen selbst darf in der Schweiz ohnehin nur noch Mehrweggeschirr verwendet werden.

Auch zwischen den Bühnen gab es einiges zu entdecken, ob stromproduzierende Fahrräder oder obskure Upcycling-Kunstprojekte. Der Pyramidenplatz, früher Hotspot der Skater-Szene, wurde mit extra Boden verlegt und mit Rails ausgestattet, sodass der Ort für ein Wochenende von den Skatern zurückerobert werden konnte. Obwohl weniger Menschen kamen als erwartet, freuten sich die Veranstalter, „dass sich die Jugendkulturszene der Region einmal mehr in ihrer schillernden Vielfalt präsentieren konnte.“