Zwei Leichen und ein Hobby-Detektiv im Stress – das ist die Bilanz einer blutigen Tragödie, die sich während einer Aufführung im Stadttheater Basel auf dem Theaterplatz abspielt: Tatort Basel. Im neuen Regionalkrimi "Blutrhein" von Wolfgang Bortlik, den der Autor in der Literaturinitiative Arena in Riehen vorstellte, geht es um zwei mysteriöse Mordfälle: einen Regierungsrat, den man erstochen bei der Metallskulptur von Richard Serra findet, und ein weiteres Mordopfer im Naherholungsgebiet der Langen Erlen an der Wiese. Krimis mit Lokalkolorit laufen bestens. Nun also ein Schweizer Krimi. Nach "Fischer hat Durst" (2009) und "Spätfolgen" (2015) folgt der raffinierte dritte Fall.

Auf dem Buchcover spiegelt sich in den Fluten des Rheins unverkennbar der neue Roche-Tower. Es ist ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass es in diesem Krimi nicht nur Mord und Totschlag, sondern auch um das Basler Pharma-Milieu und die Wirtschaft geht, um den "Basler Daig". Das im Gmeiner-Verlag erschienene Buch ist witzig, satirisch, ironisch und sehr spitz mit vielen Seitenhieben geschrieben. Auf 250 Seiten wird der Hobbydetektiv Melchior Fischer mächtig mit dem Fall beschäftigt sein. Der geschiedene, übergewichtige Mittfünfziger, Aushilfs-Buchhändler, Fußballfan und Fahrradfahrer, dem die baulichen Verschandelungen und Baustellen in der Stadt ein Dorn im Auge sind, gerät von einem Dilemma ins nächste: ein Pechvogel. Das macht die Figur so menschlich und sympathisch. Mit dabei noch "Bulle Roth", Kommissär Franz Gsöllpointner von der Basler Kripo, ein Fußballkumpel des Antihelden Fischer. Und weil der Kommissär den Fall aufklären muss, gerät auch Fischer mitten hinein ins mörderische Geschehen.

Dass der gebürtige Münchner Bortlik schon lange in Riehen lebt und mit den hiesigen Verhältnissen vertraut ist, merkt man an den stimmigen Figurenschilderungen und dem kritischen Blick, den er auf die Stadt und die Gesellschaft wirft. Exakte Ortskenntnis ergänzt diesen mit leichter Hand geschriebenen Krimi. Der Roman ist stark auf Erinnerungen aufgebaut, Bortlik historisiert seine Figur und psychologisiert sie nicht. Auch das Milieu wird sehr detailgenau beschrieben: die Bürofluchten des Konzernriesen, das schmucke Kleinbasler Viertel mit seinen Etablissements und Bars, und die vornehme Basler Gesellschaft: eine spannende Gemengelage aus Politik, Industrie und Wirtschaft. (js)