Riehen Lesung: Zwischen Trauma und Rassismus

Eine beeindruckende szenische Lesung nach "Gott, hilf dem Kind" von Toni Morrison bietet die Reihe "Wintergäste reloaded" zum Abschluss in der Reithalle Wenkenhof in Riehen. Es lesen Lisa Stiegler, Chantal LeMoign, Vincnet Glander und Angela Buddeckie.

In dem Roman der amerikanischen Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison "Gott, hilf dem Kind" hat jede Figur Kämpfe zu bestehen. Man denkt, es gibt nur ein Problem, aber es gibt deren viele. Auf der breiten Bühne in der großen Reithalle im Wenkenhof Riehen sitzen vier Sprecher. Die drei Frauen sind die Ich-Erzähler, der Mann spricht im Erzählton. Neben den Hauptthemen Hautfarbe und Herkunft dreht sich die Geschichte um Kindesmissbrauch und um die von ihrem Liebhaber Booker sitzen gelassene Lula Ann Bridewell, die sich später nur Bride nennt, als narzisstische, glamouröse schwarze Schönheit Karriere bei einem Kosmetikkonzern macht, bei der Fahrt in den Süden aus der Kurve fliegt und mit ihrem Jaguar gegen einen Baum kracht.

Die Story wird von den Frauen aus ihren Erzählperspektiven im Wechsel erzählt. Man muss bei dieser letzten szenischen Lesung der "Wintergäste reloaded" aufpassen, denn die Episoden klingen manchmal improvisatorisch. Jeder erzählt in Rückblenden aus der Kindheit, manchmal in langen Monologen, und es gibt auch richtiggehend surreale Erzählmotive darin. Passend dazu war die szenische Einrichtung durch Marion Schmidt-Kumke (Dramaturgie und Realisation), die die Erzähler in wechselndem Scheinwerferlicht beleuchtet und zu Wort kommen lässt. Liesa Stiegler als Lula/Bride rückt erst am Schluss mit der Wahrheit heraus, ihre beste Freundin weiß längst: "Sie lügt". Chantal LeMoign ist die Mutter, die nicht Mutter genannt werden will, Vincent Glander der flippige und saloppe Aussteiger Booker, Sibylle Mumenthaler die "Pseudofreundin" Brooklyn.

Morrison erzählt anhand dieser Geschichte eines schwarzen Überraschungsbabys von Liebe und Schuld, Lüge und Rassismus, Tätern und Opfern, am Schluss auch von Hoffnung, denn Bride ist guter Hoffnung, bekommt von Brooker ein Kind und das Ganze läuft, vielleicht etwas zu sentimental, auf ein mild verklärendes Happy End hinaus.

Gut, dass die Dramaturgin die vielen Handlungsfäden zusammengefügt und manches gekappt hat, damit man die Geschichte stringent mitverfolgen konnte, die im prägnanten Sprachstil der Alltagssprache geschrieben ist. Man könnte sie auch als ein modernes Märchen lesen, die Geschichte von der schönen Bride, die sich aufmacht, ihren Lover zu suchen: ein beeindruckender Abschluss der diesjährigen grenzüberschreitenden Lesereihe über das "andere Amerika".

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