Eigentlich hätte man die Ausstellung „Kurt Wyss analog“ nennen können. Denn alle Aufnahmen, die der Basler Fotograf in der groß angelegten Retrospektive im Kunst Raum Riehen zeigt, sind analoge Schwarz-Weiß-Fotografien. Aber auch der Titel „Augenzeuge Kurt Wyss“ passt, denn der Schweizer Fotoreporter hat seit mehr als 50 Jahren die gesellschaftlichen, sozialen und künstlerischen Ereignisse nicht nur in Basel festgehalten.

Der 80-Jährige, der bis zu seiner Pensionierung Redakteur und Fotograf der Basler Zeitung war, ist besonders für seine Künstlerporträts bekannt. Sein immenses Bildarchiv versammelt gleichermaßen Lokalereignisse wie Begegnungen mit Größen aus Kunst und Literatur. Alle hatte er vor seiner Kamera: Jahrhundertkünstler wie Pablo Picasso, Andy Warhol, Dieter Roth, Jean Tinguely, Joseph Beuys, Schriftsteller wie Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch, Urs Widmer, Patricia Highsmith und viele andere. Wyss hat sie mit scharfem und wachem Blick porträtiert, oft in deren Ateliers, und scheinbar beiläufig Bedeutsames und besondere Attribute wie sprechende Hände in den Fokus gerückt. Eine besondere Serie ist entstanden, als er den Maler Jean Dubuffet in dessen letzter Lebens- und Schaffensphase begleiten durfte.

Wyss ist aber auch ein Chronist und Zeitzeuge von Jugendkultur, Protestbewegungen, Anti-Atomkraft-Demonstrationen und der aufkommenden alternativen Szene der 60er und 70er Jahre. Der Fotokünstler hat auch die Basler Kunstmesse „Art“ von ihren Anfängen an begleitet. Ergänzend sind im breiten Spektrum der Schau auch Auslandsreportagen zu sehen, etwa von der Hunger- und Kriegskatastrophe in Biafra oder Alltagsszenen aus Neapel, Venedig, Zypern und London: Ausschnitte aus einem langen Fotografen-Leben.

Die Fotoausstellung im Kunst Raum Riehen ist bis 10. September, Mittwoch bis Freitag 13 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr zu sehen. 9. September, 17 Uhr: ausgewählte Bilder im Fokus mit Kurt Wyss.