Die Liste hätte noch viel länger sein können. Keiner der angefragten Künstler hat abgesagt. Warum auch? Ist es doch die Jubiläumsausstellung zum 20-Jährigen des Kunst Raum Riehen, dem „kleinen Bruder der großen Fondation Beyeler“, der sich zu einer wichtigen regionalen Plattform für zeitgenössische und experimentelle Kunst entwickelt hat, welche auch auf deutscher Seite Beachtung findet.

Sprungbrett für Künstler

Das kommunale Ausstellungshaus ist schon immer ein Sprungbrett für junge und heute international bekannte Künstler. 20 Kunstschaffende, die mit dem Kunst Raum verbunden sind, zeigen derzeit neue Werke. Aber es soll kein „Best of“ sein, wie die Kuratorin der ersten Stunde, Kiki Seiler, betont, die viele Künstlerlaufbahnen mit lanciert hat. Vielmehr werden unterschiedliche Positionen und vielfältige Arbeiten präsentiert.

Vincent begrüßt Besucher am Eingang

Yves Scherer, einer der wichtigsten Vertreter der Post-Internet-Art, „begrüßt“ den Besucher am Eingang mit seinem „Vincent“. Es sieht so aus, als würde die lebensgroße männliche Figur, mit Sonnenbrille, Badehose, Handtuch und Schuhen gerade vom nahestehenden Brunnen ins Haus laufen, als sei der Kunstraum ein Ferienressort. Die „gefrorene Performance“ stellt den französischen Schauspieler Vincent Cassel dar, der mit dem Film „Irréversible“ berühmt geworden ist und durch eine Affäre mit der italienischen Filmschauspielerin Monica Bellucci das öffentliche Interesse geweckt hat. Vincents mit rosa Farbe lackierte Stahlhaut ist makellos, was auf die Celebrity-Kultur hindeutet. Die Bildfindung ist im Internet erfolgt, nach einem Foto, das Cassel zeigt, wie er am Strand aus dem Wasser kommt, und über ein 3D-Verfahren in die Realität zurückverwiesen. Scherer hat es nun mal mit Stars, er hat hier schon einmal Schauspielerfiguren gezeigt: Kate Moss und Johnny Depp.

Die Skulptur Vincent von Yves Scherer vor dem Kunst Raum Riehen stellt den französischen Schauspieler Vincent Cassel dar, wie er am Strand gerade aus dem Wasser kommt, mit Sonnenbrille, Badehose, Handtuch und Schuhen.
Die Skulptur Vincent von Yves Scherer vor dem Kunst Raum Riehen stellt den französischen Schauspieler Vincent Cassel dar, wie er am Strand gerade aus dem Wasser kommt, mit Sonnenbrille, Badehose, Handtuch und Schuhen. | Bild: Jürgen Scharf

Ein anderer spektakulärer, aber mehr provozierender Blickfang ist das über zwei Meter große Foto, auf dem sich drei Basler Künstlerinnen mit bloßer Haut auf dem Sofa sitzend, Zigarre rauchend abgelichtet haben, ein selbstbewusstes Damentrio, das sich sichtlich wohl in seiner nackten Haut fühlt: ein Statement. „Equality/Sofa“ heißt das Foto aus einer Serie von sechs Fotomontagen, bestehend aus Selbstporträts von Muda Mathis, Sus Zwick und Fränzi Madörin. Es entstammt dem Projekt „The Golden Landscape of Feminism“ und greift das Thema Geschlechterfragen auf. Beim großen bemalten dreiteiligen Holzobjekt „Partition“ von Markus Müller mit einer Formgebung zwischen Möbel und Gestaltung, dürfte es sich um eine Reaktion auf Architektur und Design handeln. Der Lichtkünstler Raphael Hefti erinnert mit der zylinderförmigen Glasröhre („Air composition“) an eine Pop Art-Neonlichtskulptur, während sich der Bildhauer und Installationskünstler Kilian Rüthemann mit den beiden mit blauer Brandschutzfarbe verfremdeten Stahlträgern auf die Raumarchitektur bezieht.

Videos stark vertreten

Malerei ist spärlich vertreten, dafür hat Video einen prominenten Platz. Im Videofilm „The Room“ führt Annette Amberg in 360 Grad durch den Lebensalltag in ihrem Wohn- und Arbeitszimmer. In der computergenerierten Animation des zehnminütigen Videoloops „Dark Matter“ lässt das Basler Künstlerpaar Monica Studer und Christoph van den Berg eine Ursuppe wabern.

Fotografie ist gut repräsentiert

Der in der chinesischen Filmszene bekannte Yang Fudong verbindet in Fotoarbeiten („The Evergreen Nature of Romantic Stories“) die junge Generation und westliche Ästhetik mit Reminiszenzen an das alte maoistische China. Florian Graf kontrastiert in einem Diptychon Zustände von Wasser, Schnee und Eis als Fotomontage, Collage oder virtuell. Und originell ist auch, wie Kaspar Müller auf vier großen Metallregalen Disparates wie Antiquitäten, Ramsch, Nippes, Spielzeug, Speichermedien und mundgeblasene Glasobjekte als Ready-mades unterbringt.

Die Ausstellung dauert bis 28. Oktober, geöffnet Mittwoch bis Freitag 13 bis 18, Samstag und Sonntag 11 bis 18 Uhr.