Riehen (alb) Die Fondation Beyeler erweitert. In dem südlich an die Fondation angrenzenden, bisher privaten Iselin-Weber-Park entstehen nach Plänen des Architekten Peter Zumthor drei neue Bauwerke – ein Servicegebäude, ein Veranstaltungspavillon und ein Haus der Kunst. Rund 100 Millionen Franken investiert die Fondation mithilfe von Mäzenen und Gönnern in das Vorhaben, das dem Gesamtensemble eine neue „prägende Gewichtung geben wird“, befand der Basler Architekt Roger zur Präsentation vor Medien. Im Gegenzug erhält Riehen einen neuen öffentlichen Park.

In der Anfangsphase habe es angesichts der Größe in Teilen der Riehener Bevölkerung gewisse Vorbehalte gegen den 1997 eingeweihten Bau von Renzo Piano und den Ausstellungsbetrieb gegeben, erinnerte der Vizepräsident der Gemeinde, Daniel Albietz, an die Gründungsphase der Fondation. Davon ist 20 Jahre später keine Rede mehr. Im Gegenteil: Die Gemeinde sei froh, einen Magneten wie die Fondation zu haben und freue sich auf den Neubau und den damit künftig auch öffentlichen Weber-Iselin-Park, betonte Albiez. Zumal es das erklärte Ziel ist, Teile des alten Baumbestandes zu erhalten.

Fit machen fürs 21. Jahrhundert

„Ein großes Geschenk für Riehen“ nennt der Präsident der Beyeler-Stiftung, Hansjörg Wyss, das Projekt denn auch. Wyss, dessen Foundation einer der wichtigsten Geldgeber hinter dieser Erweiterung ist, hatte den Park entdeckt, wie er sagt, und mit dessen Kauf den Weg für das Vorhaben geebnet. Tatsächlich rücke die Fondation damit perspektivisch noch stärker an das Dorfzentrum heran. Im Kern geht es aber natürlich in erster Linie darum, die in den 90er Jahren geplante Fondation räumlich und technisch fit zu machen für die Anforderungen eines besucherfreundlichen Ausstellungs- und Museumsbetriebs des 21. Jahrhunderts.

Mit dem 1943 in Basel geborenen, inzwischen in Graubünden lebenden, Peter Zumthor hat die Fondation beziehungsweise das Beurteilungsgremium dafür einen der profiliertesten und streitbarsten Architekten der Gegenwart gewählt; bereits 2009 wurde Zumthor mit dem Pritzcker-Preis, dem Nobelpreis für Architektur, ausgezeichnet und ist nicht zuletzt für seine zum Teil archaischen, stark auf die Umgebung bezogenen Bauten wie die Therme in Vals bekannt; dieses Jahr war der Architekt hierzulande im Fach Kunst übrigens auch Thema der Abiturprüfungen. Zudem hat er Erfahrungen mit Museen – er hat 1997 das Kunsthaus Bregenz oder 2007 das Kolumba Kunstmuseum in Köln entworfen.

Der Entwurf für die Fondation sieht in dem im 19. Jahrhundert entstandenen Park – den damals mit Jean-François Caillat übrigens der gleiche Landschaftsarchitekt geplant hat, wie den Park um den Renzo-Piano-Bau – drei eher kleinteilige Gebäude vor. Diese passen sich in der Anmutung dem Dorfcharakter von Riehen an, integrieren sich aber auch in die umliegende Natur. So sind ein schlichtes Servicegebäude für die Verwaltung und die Anlieferung geplant, ein transparenter Pavillon für Veranstaltungen, die heute im Bau von Renzo Piano stattfinden, sowie ein Haus für Kunst. Letzteres ist geplant als Bau aus „gestampften Beton“ – eine Bezeichnung, die Zumthor zwar nicht mag, wie er verriet, die aber auf das Naturhafte, Offenporige verweist – und bietet 1500 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche. Diese verteilen sich auf drei Stockwerke, die alle Tageslicht und Aussichten auf die Landschaft bis zum Tüllinger bieten werden.

„Ein Museum braucht Tageslicht“, betonte der locker mit weiten japanisch anmutenden Plunderhosen gekleidete 74-Jährige denn auch in bewusster Absetzung von anderen Museumsbauten im Anschluss. „Das Zusammenspiel von Mensch, Natur, Kunst und Architektur, welches die Fondation Beyeler seit jeher auszeichnete, wird ebenso gelungen umgesetzt, wie dies bereits Renzo Piano vor 20 Jahre tat“, befand der Direktor der Fondation Sam Keller denn auch.

Pläne und Modelle zum Projekt sind bis 7. Mai im Souterrain der Fondation zu sehen und vom 10. bis 23. Mai, 8 bis 12 und 14 16.30 Uhr im Gemeindehaus Riehen (Wettsteinstraße).