Kultur Chorklang in bester Tradition: Streifzug durch die große A-cappella-Literatur vom 16. bis zum 21. Jahrhundert

Der Tenebrae Choir aus London sorgt bei "Classiques" in Riehen im Programm "A Hymn of Heavenly Beauty" für himmlischen Chorklang.

Der Tenebrae Choir ist ein exzellenter Kammerchor, der die legendäre Qualität britischer Chöre hörbar macht. Unter Leitung von Nigel Short, einem ehemaligen Mitglied der King’s Singers, präsentierten die Vokalisten bei ihrem Streifzug durch die große A-cappella-Literatur vom 16. bis zum 21. Jahrhundert einen Chorklang in bester Tradition, schwebungsfreier Intonation und perfekter Vokaltechnik, volltönend, differenziert und flexibel.

Exemplarisch war dies in Alonso Lobos „Versa est in luctum“ zu hören, wo man die Kunstfertigkeit der Renaissancemusik entdecken konnte, die eigentlich nur Gottes Ohr erreichen sollte, oder in der Begräbnismusik „Burial Sentences“ von William Croft/Henry Purcell, die ein in sich gerundetes Bild von der englischen Vokalpolyphonie bot. Besonders gut liegen Tenebrae die hochexpressiven Sätze von Thomas Tallis, wie man an der Ausdrucksintensität feststellen konnte, die kaum zu überbieten ist.

Dass gerade diese altenglische Musik zu einem lebendigen Hörmuseum wurde, hing auch damit zusammen, dass dieser Spitzenchor aus London im Landgasthofsaal die Form eines Wandelkonzerts wählte, was besondere Raumklangwirkungen erzeugte und die Alte Musik zu einem faszinierenden Klangerlebnis für heutige Ohren machte. John Taverners vielgesungenes „Ikos“ liegt diesen Stimmvirtuosen des solistischen Ensemblegesangs, die sich aus Mitgliedern der Chöre von Westminster Abbey, St. Paul’s Cathedral und den Londoner Opernhäusern rekrutieren, ähnlich gut. Die zeitnahen musikalischen Devotionalien Taverners mit seiner expressiven Harmonik und dem Unisonogesang sind Mittelalter modern.

Die Sicherheit des Chors in Stilvarianten der Gegenwart war mindestens so beeindruckend wie die verschiedenen ekstatischen „Hallelujahs“, der triumphale russische Lobgesang von Rachmaninow, die spätromantische englische Klangsprache von Gustav Holst oder der flächige Klangteppich des populären Eric Whitacre, der schon als Rockstar der Chorszene gilt und von den Sängern viel stimmliche Beweglichkeit forderte. Dieser phänomenale Chor stellte der britischen A-cappella-Chortradition das beste Zeugnis aus.

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