Vor fast sechs Jahren berichtete der SÜDKURIER über vier junge Männer aus Überlingen und Owingen und die ersten Schritte ihres Unternehmens „Cashew for you“. Cashewkerne für dich oder Sie. In den zurückliegenden Jahren wurden aus ersten Schritten große Sprünge. Unter dem Namen „Fairfood“ entwickelte sich der Betrieb, der seinen Sitz in Freiburg hat, vom ersten Festangestellten 2017 bis zu einem 60 Mitarbeiter starken Team 2021.

Erster eigener Verkaufsraum

Mittlerweile werden die fairen Cashews in Läden in ganz Deutschland verkauft. Seit Oktober dieses Jahres gibt es in der Freiburger Fischerau den ersten eigenen Verkaufsraum. Ursprung des Unternehmens ist ein ehrenamtliches Projekt, das 2014 startete, als Amos Bucher aus Owingen Okey Ugwu aus Nigeria kennenlernte. Ein Land, in dem zwar reichlich Cashews angebaut werden, den Bauern aber wenig bleibt. Der Ansatz von Bucher, der „Fairfood“ damals mit seinem Bruder und einem Cousin in Konstanz gründete: Durch Direktvertrieb der fair produzierten Cashews soll die Produktion nachhaltiger gestaltet werden.

In Ugwus Heimat Nigeria schulten sie mehr als 30 Leute, die die Kerne lösen, sie trocknen und dann nach Deutschland schicken. Die erste Produktion gibt es noch immer und über die Jahre kamen weitere dazu. „Aktuell arbeiten wir in zehn bis zwölf Kooperativen“, erklärt Mark Schwippert, der 2015 zu den „Fairfood“-Gründern dazustieß. In Nigeria, Palästina, Tansania oder Kenia werden Cashews, Haselnüsse oder Paranüsse geerntet, nach Deutschland verschifft und in Freiburg verarbeitet.

Julian Bletscher, Amos Bucher und Mark Schwippert (von links) stehen vor fast sechs Jahren unter einem Schild mit der Aufschrift „Eingang“. Schon damals hatten sie ihn mit ihrem Unternehmen gefunden und entwickelten es konsequent weiter.
Julian Bletscher, Amos Bucher und Mark Schwippert (von links) stehen vor fast sechs Jahren unter einem Schild mit der Aufschrift „Eingang“. Schon damals hatten sie ihn mit ihrem Unternehmen gefunden und entwickelten es konsequent weiter. | Bild: Angela Körner-Armbruster

Firmensitz seit 2018 in Freiburg

In Freiburg ist seit 2018 der Firmensitz: Geröstet wurde erst an der Günterstalstraße, seit März arbeiten die mittlerweile rund 60 Mitarbeiter auf 2000 Quadratmetern an der Merzhauser Straße. „Fairfood“ ist in den vergangenen Jahren schnell gewachsen, obwohl die Firmenphilosophie auf das Gegenteil abzielt. Doch mit dem Anspruch, nur fair, bio und ohne Verpackungsmüll zu produzieren, trifft „Fairfood“ den Zeitgeist, der gerade herrscht.

Ein wichtiger Schritt war dabei die Umstellung auf Pfandgläser: Seit 2020 gibt es die Produkte nur im Glas. Verkauft werden sie im eigenen Onlineshop und in 508 Läden in ganz Deutschland. Die meisten davon sind Unverpacktläden, Alnatura- und Supermarkt-Filialen sowie Bioläden.

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Der Überlinger Mark Schwippert ist Wirtschaftsingenieur und bei „Fairfood“ für Kunden und Marketing zuständig. Ab und zu tauscht er jetzt Computer gegen Ladenkasse, denn im Verkaufsladen stehen die Teammitglieder abwechselnd hinter dem Tresen. Zum Beispiel Dino Zanolli, der zwei Jahre in den selben Räumen das nachhaltige Outlet „Suslet“ führte. Dann kam Corona; Zanolli heuerte bei „Fairfood“ in der Produktion an – und stellte seinen Laden zur Verfügung. Jetzt berät er Kunden nicht in Sachen Kleidung, sondern erklärt, woher die Cashews, Erdnüsse oder Mandeln kommen und wie sie in Freiburg geröstet werden.

Enger Bezug zu den Erzeugern

Denn Herkunft, Verarbeitung und Transparenz sind wichtige Werte für das Unternehmen. Der Bezug zu den Erzeugern sei eng, so Schwippert, obwohl die Corona-Pandemie das Reisen in den vergangenen Monaten erschwert hat. „Unser aktuelles Projekt unterstützt ruandische Farmerinnen und Farmer bei der Macadamia-Produktion“, erzählt Schwippert. Über Crowdfunding kamen mehr als 25 000 Euro zusammen. Blicken die Firmengründer zurück, haben sich viele ihrer Wünsche erfüllt, die sie vor knapp sechs Jahren gegenüber dem SÜDKURIER äußerten. Von der Mund-zu-Mund-Propaganda haben sie es zu einem funktionierenden Handel geschafft.

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